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Ehrung in der Stadt Esens Tafel informiert über berühmte Sängerin aus Esens

Esens - Unter 42 Kommunen in Niedersachsen erhält Esens in diesem Jahr den sechsten „Frauen-Ort“ in Ostfriesland. Geknüpft ist diese rar gesäte Auszeichnung des Landesfrauenrates an das Leben und Wirken von Sara Oppenheimer, die 1840 in Esens geboren und im jüdischen Glauben erzogen wurde. In ihrer Zeit sorgte sie als Opernsängerin für Furore, obwohl sie aus der ostfriesischen Provinz stammte.

Nachdem Gabriele Buisman das Projekt Anfang 2020 in ihrer Eigenschaft als zweite Vorsitzende des Ökumenischen Arbeitskreises Juden und Christen in Esens angestoßen hatte, sind Gruppen innerhalb des Arbeitskreises der aus dem kulturellen Bereich stammenden Kooperationspartner mittlerweile mit Ausarbeitungen für den Festakt und weiteren Aktivitäten beschäftigt, deren Details immer konkreter werden.

Offizielle Eröffnung im Herbst

Man beschäftigt sich unter anderem mit touristischen und pädagogischen Aspekten und der Wissenschaft, der Auftaktveranstaltung und der Öffentlichkeitsarbeit. Am 29. Oktober vergangenen Jahres überreichte der Landesfrauenrat Niedersachsen vor dem Esenser Rathaus den offiziellen Bewilligungsbescheid für diese ehrgeizige Initiative.

Die offizielle Eröffnung des Projekts „frauenORT Sara Oppenheimer Esens“ ist inzwischen für Sonntag, 17. Oktober, geplant und wird von anderer Seite in das bundesweite Festprogramm „321–1700: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ eingebunden, das unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht. So fließen von diesem Veranstalter nach Beantragung durch den Ökumenischen Arbeitskreis auch erhebliche Fördermittel nach Esens.

An diesem Tag ist erstmals eine Stadtführung zu den Plätzen jüdischen Lebens in Esens vorgesehen, organisiert vom Sprecher der Esenser Stadtführer, Friedrich Appelt. Im Anschluss wird am August-Gottschalk-Haus in der Burgstraße ein Schild enthüllt, das auf Oppenheimer und den FrauenORT eingeht. In einer Feierstunde in der St.-Magnus-Kirche sprechen Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Kirche. Und Chronist Gerd Rokahr stellt seine bis dahin abgeschlossene wissenschaftliche Arbeit zum Wirken und Leben der jüdischen Sängerin vor.

Geburtshaus in der Herdestraße

Einen ersten Hinweis auf die besondere Auszeichnung und den Festtag gibt eine Informationstafel, die Detlef Kiesé von der Initiative „Esens historisch – das begehbare Geschichtsbuch“ am Standort des Geburtshaus Sara Oppenheimers angebracht hat. Das Gebäude befindet sich am Anfang der Herdestraße und beherbergt heute das Schuhgeschäft Oelrichs. „Als erste Frau aus Esens absolvierte Oppenheimer ein Studium am renommierten Konservatorium in Leipzig“, weist Friedrich Appelt auf den Tafeltext über die Künstlerin jüdischen Glaubens hin. Nach abgeschlossener Ausbildung habe die junge Opernsängerin an den Staatstheatern Köln und Frankfurt a. M. Karriere gemacht und sei als gefeierte Konzertsängerin aufgetreten. „Richard Wagner zählte die jüdische Sängerin zu den ,ersten Künstlerinnen‘ seiner Zeit.“

1874 heiratete Oppenheimer den Mainzer Kaufmann Bernard Wolf, engagierte sich für die „Frauenarbeitsschule“ und nahm als Solistin und Mitglied des Chores „Liedertafel und Damengesangverein“ viele Jahre aktiv am Mainzer Musikleben teil. Und ihr Geburtsort in der Herdestraße? Stadtführer Appelt: „Nach dem Stadtbrand 1860 wurde hier ein neues Wohnhaus errichtet, in das Tischlermeister Johann Janssen 1920 seinen Tischlerei- und Bestattungsbetrieb verlegte. Die Familie betrieb unter dem Namen Gebrüder Janssen in drei Generationen eine Möbelhandlung.“

Von der ursprünglichen Fassade sind nur noch drei Rundbogenfenster im Obergeschoss erhalten geblieben, berichtet der Geschichtskenner.

Detlef Kiesé
Detlef Kiesé Redaktion Wittmund
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