ESENS - Der 32. Ossiloop neigt sich dem Ende zu, heute gehen die Ausdauersportler schon auf die fünfte der insgesamt sechs Etappen. Diese führt sie von Gut Stikelkamp nach Holtland, viele kennen sie als 'Klaus-Beyer-Etappe'. Sie ist mit gut 9,5 Kilometern Länge das kürzeste Teilstück. Der Ossiloop wurde 1982 von Klaus Beyer ins Leben gerufen. 25 Jahre organisierte er den Ossiloop mit dem SV Holtland und machte ihn zu diesem erfolgreichen Lauf. Im vergangenen Jahr verstarb Beyer. Zu seinem Gedenken gab es eine Schweigeminute zum Start in Bensersiel.

Bei der 32. Auflage entwickelten sich an der Spitze spannende Kämpfe, doch auch viele Läufer nehmen aus unterschiedlichen Gründen, beispielsweise einer Wette, teil. Die meisten locker daher gesagten Wetten werden oftmals nicht wahrgenommen. Nicht so bei einem Klön-Club aus Esens. Ausgerechnet auf dem 50. Geburtstag von Wolfgang Pree wurde in der geselligen Männerrunde der Ossiloop Thema und ein Freund warf voreilig in die Runde: 'Das schaffe ich auch'. So nahm das Ganze seinen Lauf, das Versprechen wurde noch am selben Abend ausgehandelt. Acht Männer wollten sich einen Wettkampf liefern. Der zuletzt ankommende Läufer muss ein Essen zahlen, dies war der Wetteinsatz. Frank Blohm, Hauptinitiator dieser Wette, zog seine Teilnahme zurück. Spätestens als die nun sieben verbliebenen Männer das Training aufnahmen, war klar, dass diese Wette ernst genommen wird. Jeder überlegte, wie er gewinnen könne. Der eine spulte Kilometer ab, ein anderer trainierte diszipliniert nach Plan, andere vertrauten ganz auf ihre bestehende Fitness. Während die Männer mehr oder weniger trainierten, tauschten sich die Frauen über das plötzlich so seltsame Verhalten ihrer Männer aus. 'Keine Ahnung was mit meinem los ist, er versucht sich anscheinend das Essen abzugewöhnen und nimmt wie verrückt ab', zeigte sich die Ehefrau von Stefan Vogelsang verwundert. Die Informationen über die Bemühungen der Konkurrenz wurden gestreut und an die Männer weitergegeben.

Dies führte zur allgemeinen Verunsicherung, da die Konkurrenz anscheinend sehr stark trainierte. Spätestens jetzt wurden auch diejenigen aufgescheucht, die ihre Zeit, in dem Glauben, dass sie den Ossiloop ohne vorheriges Training überstehen könnten, auf dem Sofa verbrachten. Einfach die Runde bezahlen oder eine andere glaubhafte Ausrede präsentieren, wäre mittlerweile die größte Niederlage gewesen. Da werden Fortbildungen, Urlaub oder Unternehmungen ganz dem Ossiloop untergeordnet. Ganz nach dem Motto, die Risiken einer drohenden Pleite möglichst gering halten.

Einige Mitstreiter bereiteten sich sogar bei anderen Läufen auf den Ossiloop vor. Beim Norder-Citylauf kam es schließlich zum direkten Vergleich zwischen Wolfgang Pree und Klaus Ebrecht. Diesen kleinen Sieg sicherte sich Pree. Ebrecht zog dagegen Hero Oelrichs im Training davon. Dies sorgte für eine schlechte Stimmung bei Oelrichs. Es wurde sich gegenseitig beäugt und beobachtet. Einige trieben auch ihre Psychospielchen. 'Ich mach mir eigentlich nur Gedanken wer wohl Erster wird von uns', heißt es. Unterdessen nahmen die Kuriositäten sogar einen nicht vorhersehbaren Lauf. 'Edith fängt jetzt doch glatt das Laufen an', stellte Wolfgang Pree verwundert fest. Doch all das könnte so harmonisch sein, einfach nur befreit Laufen, die Stimmung an und auf der Strecke genießen. Wäre da nicht ständig der Gedanke an die Wette und der gewisse Druck.

Schließlich war der Tag gekommen: Der Ossiloop startete. Die Männer befanden sich auch auf der Strecke und waren mit voller Begeisterung dabei. Nach fünf von sechs Etappen dominiert ausgerechnet der auf seinem 50. Geburtstag herausgeforderte Wolfgang Pree mit großem Vorsprung. So wird zwar auch diese Wette die Freundschaft nicht auseinander bringen können und es wird irgendwann in gemeinsamer Runde mit Johann Nörder, Johann Taddigs, Hero Oelrichs, Steffen Vogelsang, Wolfgang Pree, Enno Hedlefs und Klaus Ebrecht auf den ganz besonderen Ossiloop in diesem Jahr zurückgeblickt. Zahlen wird übrigens Oelrichs, der wegen Rückenproblemen ausstieg.