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Fehlendes Testangebot Gastronomen im Harlingerland kritisieren Corona-Lockerungen

Esens/Wiesmoor - Auf diesen Tag haben viele gewartet. Seit gestern können die Menschen in weiten Teilen Niedersachsens sich über Corona-Lockerungen freuen.

In Städten und Landkreisen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 können Handel, Gastronomie und Tourismus unter Auflagen wieder öffnen. Das gilt für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete. Aber wie lassen sich diese Maßnahmen umsetzen?

„Wir hatten genug Zeit, uns auf den Tag X vorzubereiten und waren die ganzen Monate über auf Standby. Auch unser Personal ist uns treu geblieben, was uns natürlich sehr freut“, sagt Hilke Branding-Rettig vom „Ostfriesenherz“ in Esens. Sie und ihr Team starteten euphorisch in den Montag. Um 10 Uhr wollten sie ihre 24 Plätze in der Außengastronomie öffnen. „Wir haben alles dekoriert und waren einkaufen, wir freuen uns einfach, die Gäste zu empfangen. Wir wollen uns solidarisch zeigen.“

Keine Termine für Tests

Doch die anfängliche Euphorie ebbte noch vor der Öffnung wieder ab. „Wir hatten geplant, hier bei uns Tests anzubieten. Doch die kosten um die fünf Euro. Ich denke nicht, dass die Gäste das zusätzlich zahlen wollen, nur um einen Kaffee bei uns zu trinken“, bemängelt die Gastronomin. Um die Kosten geringer zu halten, wollte sie ihren Kunden empfehlen, einen kostenlosen Test bei der Apotheke gegenüber zu machen. Doch auch hier Ernüchterung: Fast alle Termine für einen Test sind ausgebucht. „Unter diesen Voraussetzungen kann das nicht funktionieren“, sagt Branding-Rettig. Wirklich rentieren würde sich eine Öffnung für das „Ostfriesenherz“ ohnehin nicht, vermutet die Gastronomin. Gerade die Wettervorhersage ließ sie zweifeln, ob eine Öffnung wirklich Sinn ergibt. Doch Hilke Branding-Rettig wollte sich solidarisch zeigen, ein Signal geben, dass es wieder voran geht. „Ich hatte gehofft, dass wir zumindest unsere Kosten gedeckt bekommen. Aber mit dem fehlenden Testangebot hier in der Innenstadt ist es zum Scheitern verurteilt“, befürchtet sie.

Als sich der Außenbereich des Cafés „Ostfriesenherz“ zur Mittagszeit doch noch recht gut besucht präsentierte, ließen sich die Eheleute Inge und Klaus Hapke von der Insel Langeoog hier eine Currywurst schmecken. Ausgestattet mit einem Impfausweis-Ersatzformular, das die beiden Insulaner von einem Arzt im Impfzentrum der Insel ausgestellt bekommen hatten, besuchten sie die Bärenstadt. „Wir fühlen uns ein wenig wie im Urlaub. Es ist schön, endlich mal wieder auf der Terrasse eines Cafés sitzen zu können“, so Inge Hapke.

Peyman Ahmadi vom „Milieu“ in Esens hat sich von Anfang an dagegen entschieden seine Außengastronomie zu öffnen. „Damit mach ich nur Verluste“, sagt der Geschäftsmann. Für ihn ist es unverständlich, warum Kinder mit dem Testergebnis eines Selbsttests in die Schule gehen dürfen, aber dieser Test nicht für den Besuch in der Gastronomie gültig ist. „Wenn dieser Test nicht ausreicht, sollten unsere Kinder damit auch nicht die Schule besuchen dürfen“, sagt Ahmadi.

Kritik an den neuen Lockerungen äußert auch der Betreiber des Restaurants „Big Ben“ in Wiesmoor Reno Hasselder: „Wir werden am Mittwochabend öffnen und sind aktuell noch mitten in den Vorbereitungen. Bevor wir aber öffnen können, muss noch einiges abgeklärt werden. Leider konnte mir der Landkreis bei meinen Anliegen auch nicht weiterhelfen. Ich würde mir mehr Unterstützung wünschen“.

Kühlhaus voller Ware

Besonders besorgt ist er über die steigenden Infektionszahlen im Landkreis Aurich: „Wir haben unser ganzes Kühlhaus voll mit Ware. Ich befürchte, dass wir nur kurz öffnen dürfen und dann aufgrund einer hohen Inzidenz hier im Landkreis wieder schließen müssen. Die Ware wird schlecht und muss dann entsorgt werden – das können wir uns nicht leisten.“ Die Nachfrage nach der Außengastronomie sei ohnehin nicht sehr hoch, so der Betreiber weiter: „Ich denke, dass es für viele Menschen einfach zu viel Aufwand ist sich testen zu lassen, um dann hier einen Kaffee zu trinken. Hinzu kommt das unbeständige Wetter, das uns einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Wir haben uns jetzt Gastrofässer angeschafft, in denen unsere Gäste draußen sitzen können, ohne nass zu werden.“

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