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Generationswechsel in der DGzRS Corona erschwert Seenotrettern die Nachwuchssuche

Neuharlingersiel - Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) steht vor einem Generationswechsel. „Immer mehr ältere Seenotretter scheiden aus dem aktiven Dienst an Bord aus“, sagt Vormann Heinz Steffens, Station Neuharlingersiel. „Zurzeit gilt für uns ein generelles Kontaktverbot.“

Die Coronakrise erschwert es der Gesellschaft, gezielt Nachwuchs anzuwerben. „Es ist kaum noch möglich, mit Interessierten ins Gespräch zu kommen, da die direkten Gelegenheiten wie ,Open-Ship-Veranstaltungen‘ oder Besuche an Bord derzeit nicht stattfinden“, sagte Sprecherin Antke Reemts im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Dennoch sei die Bereitschaft ungebrochen, sich in der Seerettung zu engagieren. Das zeige unter anderem eine unveränderte Anzahl von Anfragen auf elektronischem Wege.

Die meisten der rund 1000 Seenotretter in der Organisation seien Freiwillige. „Nur etwa 180 von ihnen auf den größeren, rund um die Uhr besetzten Seenotrettungskreuzern sind fest angestellt“, sagte Reemts. Sie geht mittelfristig davon aus, dass es für die Stellen der fest angestellten Seenotretter weniger Bewerbungen deutscher Seeleute geben wird. „Wir haben uns deshalb darauf vorbereitet, künftig verstärkt auch Personal selbst zu qualifizieren. Aktuell erhalten wir jedoch wieder mehr Bewerbungen von Patentinhabern.“

Maritime Kenntnisse sind von Vorteil, aber kein Muss

Wer freiwillig mitmachen wolle, der brauche vor allem die richtige Einstellung. „Maritime Kenntnisse und Bezüge, etwa ein vorhandener Sportbootführerschein, sind von Vorteil, aber keine unbedingte Voraussetzung. Ohne Leidenschaft und Teamgeist geht es jedoch nicht“, sagte Reemts.

Die Seenotretter erhielten ihre SAR-Dienst-spezifische Ausbildung in ihrer Freizeit. Alarmiert würden sie ähnlich wie freiwillige Feuerwehrleute. Eine Prüfung der Seediensttauglichkeit ist Voraussetzung. Bei den fest angestellten Rettungsmännern handele es sich nahezu ausnahmslos um Patentinhaber. Sie haben an einer Hochschule ihr nautisches oder technisches Patent erworben und anschließend ausgefahren.

Auch bei den Hauptamtlichen seien Fachkenntnis und Teamgeist entscheidende Faktoren. „Modernste Technik kann gute Seemannschaft nicht ersetzen. Im Gegenteil: Hohe fachliche Qualifikation erhöht die Leistungsfähigkeit der Technik und verbessert die Such- und Rettungsmöglichkeiten.“ Der aktuell älteste aktive Seenotretter sei rund 80 Jahre alt, der jüngste gerade 18 Jahre. Dabei gebe es unter den Helfern regelrechte Dynastien. So gibt es auf der Freiwilligen-Station Neuharlingersiel seit Anfang November 2018 wieder einen Vormann Steffens. Der 55-Jährige sei Seemann durch und durch – und Seenotretter, in fünfter Generation. Schon sein Vater Heinrich (1960 bis 1987), sein Großvater Georg (1926 bis 1953) und sogar sein Ururgroßvater Harm Jansen (1873 bis 1902) waren laut Reemts Vorleute bei der DGzRS.

Zum ersten Mal zwei Frauen bei der Station in Neuharlingersiel

Die Station Neuharlingersiel könne sich aktuell über zwei Neuzugänge an Bord freuen: zwei Frauen, die beiden ersten in der 151-jährigen Geschichte der Freiwilligen-Station Neuharlingersiel. Sie werden zunächst eingekleidet und dann ihren Dienst antreten, erklärt Heinz Steffens. „Das bedeutet: Aktuell haben wir keine Nachwuchssorgen. Aber Leute kann man nicht genug haben. Auch wir stehen vor einem Generationswechsel“, sagt Heinz Steffens.

Das Engagement sei sehr zeitintensiv und an bestimmte Voraussetzungen gebunden. „Die Leute sollten möglichst nahe der Station wohnen, damit sie im Einsatzfall schnell verfügbar sind“, sagt der Vormann. Doch das sei leider nicht für alle Stationen gegeben. Wünschenswert aus Sicht des Vormanns wäre ein nahtloser Übergang der Generationen. Dann könnten die Jüngeren noch sehr viel von den älteren Seenotrettern lernen.

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