NEUHARLINGERSIEL - Das, was Fatih Cevikkollu seinen 120 Zuschauern am Dienstagabend in Neuharlingersiel anbot, war mitunter nichts für schwache Gemüter.

Vor allem seine immer wiederkehrende Persiflage des debil vor sich hinstammelnden Altkanzlers Helmut Kohl ließ so manchem Zuhörer das Lachen im Halse steckenbleiben. 'Da weiß man immer nicht: Will er was sagen oder muss er mal kacken?'

Der Kölner Kabarettist hatte indes keinesfalls nur platte Provokationen zu bieten. Von der Figur des Regierungschefs a.D. entspann er einen Handlungsfaden, der ihn durch etliche politische Minenfelder führte. Angefangen bei der Integrationsdebatte. Gerade wenn es um Kohl gehe, würde der ein oder andere CDU-Wähler im Auditorium sich wohl fragen, ob man den 'Türken auf der Bühne' noch abschieben könne.

Sodann gab Cevikkollu den überheblichen Kolonialherren, der in die Hände klatschend dazu auffordert, unterhalten zu werden – von einem gebrochen Deutsch sprechenden, devoten Südländer. 'Welch ein wilder Osmane', resümiert der Herrscher kühl. Als daraufhin Gelächter ausbrach, wendete sich Cevikkollu spitzbübisch dem Publikum zu: 'Na, wieder alles da, wo es hingehört?'

Der Kabarettist schlüpfte binnen seines zweistündigen Programms in so manch weitere skurrile Rolle. Egal ob als indischer Yoga-Lehrer oder brasilianischer Literatur-Novize, der Goethes 'Faust' in radebrechender Sprache interpretierte: Die passende Pointe folgte stets auf dem Fuße, an dem der Kabarettist übrigens rote Latschen trug. 'Für’s Klischee', frotzelte Cevikkollu, der Mittwoch auf Langeoog spielte und Donnerstag seine Küsten-Tour auf Wangerooge beschließt.

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