Neuharlingersiel - Das Raumordnungsverfahren „Seetrassen 2030“ sorgt weiter für Diskussionen. Die Samtgemeinde Esens hatte zu einem Gespräch in Neuharlingersiel eingeladen. Das teilt Samtgemeindebürgermeister Harald Hinrichs mit.
Teilgenommen hätten neben Politikern Vertreter aus den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei, Hafenwirtschaft, Tourismus, der Deichacht sowie der Sielacht. Auch der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies, der Landesbeauftragte Franz-Josef Sickelmann und Wittmunds Landrat Holger Heymann seien anwesend gewesen. Bei dem Gespräch stellten Vertreter der Unternehmen Tennet und Amprion das Projekt Seetrassen 2030 vor.
Die Anwesenden hätten grundsätzliche Zustimmung zur Notwendigkeit gezeigt, Offshore-Windenergie zu produzieren und diese durch die See und über Land weiter abzuleiten. Letztlich sei es aber kaum nachvollziehbar, dass zum jetzigen Zeitpunkt offenbar noch nicht klar ist, wie sich der Trassenverlauf auf dem Festland fortsetze.
Beteiligung vor Ort im gesamten Planungsprozess
Der Neuharlingersieler Bürgermeister Jürgen Peters fordert eine stärkere Beteiligung vor Ort während des gesamten Planungsprozesses. Es gebe für viele betroffene Bürger und Betriebe, so etwa die Landwirtschaft oder Vermieter, Nachteile, die es auszugleichen gilt. Daneben gebe es eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Arbeiten vor Ort auszugleichen, wenn es denn von den Planungsträgern gewollt sei. „Wir wollen nicht nur Transit-Region werden“, sagte Peters. Er habe zudem den Eindruck, dass die großen Firmen sich nur im Rahmen des notwendigen Maßes um die Menschen und Betriebe vor Ort interessierten.
Der Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Ostfriesland, Manfred Tannen, habe das Unternehmen Tennet daran erinnert, dass es bei früheren Planungen gelungen sei, Rahmenvereinbarungen abzuschließen. Derzeit sei dies aber offenbar von den Projektträgern nicht gewollt.
Olaf Lies habe in seinem Statement dargestellt, dass sich die Bevölkerung angesichts der Vielzahl an Energieprojekten die Frage stellt, was noch alles komme. Daher sei es richtig, Maßnahmen zu bündeln und möglichst viele Beteiligte zu einem konstruktiven Miteinander zu bewegen. Für Harald Hinrichs bestehe die Möglichkeit, die „Seetrassen“ zu einem gemeinsamen Projekt zu entwickeln. Damit habe er eine Einladung an die Unternehmen Tennet und Amprion ausgesprochen, sich mit den Verantwortlichen vor Ort intensiv auszutauschen und schon jetzt eine Kooperationsvereinbarung abzuschließen. Angeboten worden sei zunächst aber nur ein lockerer Arbeitskreis zum Austausch. Es bestehe derzeit offenbar keine weitergehende Bereitschaft zur Verständigung über das Genehmigungsverfahren hinweg, heißt es in der Pressemitteilung weiter.
Vorwürfe nicht nachvollziehbar
Die Unternehmen Tennet und Amprion teilen auf Nachfrage mit, dass sie die Vorwürfe nicht nachvollziehen können. „Amprion und Tennet sind jederzeit gesprächsbereit“, schreibt Cornelia Junge, Pressereferentin von Tennet. Dies sei auch in dem Gespräch in Neuharlingersiel betont worden. Sie seien offen für Vorschläge wie die von Hinrichs oder Peters, weisen jedoch darauf hin, dass es aufgrund des aktuellen Planungsstandes noch keine Lösungen für die angesprochenen Themen gebe. Die Unternehmen teilten mit den lokalen Akteuren das Ziel, Landwirtschaft, Landschaft und Tourismus so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Eine Vereinbarung etwa über das Offenhalten von Radwegen wären der Bauarbeiten könne aber noch nicht getroffen werden. Es könne lediglich zugesichert werden, dass die lokalen Vertreter in die Fragen und Lösungsfindungen einbezogen werden. So sollen Ergebnisse erzielt werden, die von allen mitgetragen werden.
Das Projekt „Seetrassen 2030“
Die beiden Netzbetreiber Amprion und Tennet planen das Projekt Seetrassen 2030.
Der in Offshore-Windparks erzeugte Strom soll über mehrere Kabeltrassen durch die Nordsee und das Wattenmeer an das Festland geführt werden.
Ankommen sollen die Trassen im Raum Dornum und in Ostbense (Ortsteil von Neuharlingersiel. Ostbense sollen zunächst drei Kabelsysteme mit jeweils drei Offshorekabeln erreichen.
Möglich sind später weitere fünf Kabelsysteme. Die Arbeiten zur Verlegung der Kabel sollen im Raum Dornum beginnen. Die Planung endet allerdings bislang etwa 200 Meter binnendeichs.
Ziel ist es, den Strom bis in die Gemeinde Stadland an der Unterweser weiterzuleiten.
