Etzhorn - Wer sich in der Chemie auskennt, ist klar im Vorteil. Mit Kenntnissen über die Reaktionen verschiedener Stoffe auf- und miteinander, kann man sogar ein kühles Blondes selber herstellen. Mitglieder des Bürgervereins Etzhorn haben das jetzt erfolgreich ausprobiert. Auf Anregung von Carsten Niehaus. Der kennt sich aus, hat Chemie und Biologie studiert und ist in der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Rastede Fachbereichsleiter Naturwissenschaften.
Beim Zoll gemeldet
Der 36-Jährige lebt in Etzhorn, „und er findet es gut, was in unserem Bürgerverein alles geboten wird“, erzählt die stellvertretende Vorsitzende Irmtraut Fuhlrott. Vereinsmitglied Niehaus wollte das mal einbringen und bot an, etwas über die Braukunst zu vermitteln. Und damit alles seinen ordnungsgemäßen Gang ging, meldete der Etzhorner den Lehrgang auch beim Hauptzollamt Oldenburg an. „Dieses Brauseminar ist nämlich eine ,zweckwidrige Verwendung’ und wird nach Paragraf 23a Absatz 3 des Bierbrauergesetzes mit € 2,05 Euro besteuert“, weiß Irmtraut Fuhlrott nun.
Sie und sieben weitere Interessierte trafen sich mit Carsten Niehaus in der großen Küche der KGS Rastede. Vor sich allerhand Zubehör, große Töpfe, Eiswürfel und vieles mehr – aber auch eine Bohrmaschine. Abenteuerlich.
Vor dem Tun kommt erst einmal die Theorie. Die Teilnehmer erfuhren, dass es mehrere hundert Hopfensorten gibt. „Die meisten kommen aus Amerika. Das weltweit größte Hopfenanbaugebiet ist aber in Bayern, in der Hallertau“, gibt die 2. Vereinsvorsitzende ihr neues Wissen weiter. Ebenso sei es mit der Hefe. Auch hier gebe es über 200 Sorten. Hefe produziere den Geschmack. Und darum gebe es die unendlich große Biervielfalt.
„Bier muss man schmecken, Bier muss man verstehen“, wurde im Seminar vermittelt. Bier sollte aus einheitlichen Gläsern verkostet werden. Es sollten keine störenden Gerüche vorhanden sein. Und Sauberkeit ist oberstes Gebot. „Wenn nach jedem Schluck Spuren von Schaum am Glasrand zurückbleiben, dann ist alles in Ordnung“, so Irmtraut Fuhlrott. Noch ein paar Empfehlungen: Pils sollte eine Temperatur von sieben bis zwölf Grad, Weißbier eine von zwischen fünf und acht Grad haben. Ausschlaggebend für die Qualität eines Bieres ist die Harmonie zwischen Hopfen und Malz.
Dann kamen die Etzhorner zum praktischen Teil des Brauens: Wasser erhitzen, Gerste und Malz in den angegebenen Mengen wiegen und mahlen. Und hier spielt die Bohrmaschine eine Hauptrolle. Mit ihrem Motor wird das Mahlwerk angetrieben. Zu Carsten Niehaus’ Getreidemühle der Marke Eigenbau gehört auch noch eine Limonadenflasche aus Kunststoff.
Viel Warterei
Alles wird bei gleicher Temperatur zusammengerührt, später kommt der Hopfen hinzu. „Achtsamkeit ist im Spiel und ganz viel Warten“, beschreibt Irmtraut Fuhlrott, „gut Ding will eben Weile haben.“ Dann beginnt das Seihen, und der Biertreber bleibt am Topfboden zurück. Noch ein Tipp vom Fachmann: „Aus dem Biertreber, mit Mehl, Salz, Trockenhefe und einer Flasche Dunkelbier verrührt, lässt sich ein leckeres Brot backen.“ Die gewonnene Flüssigkeit wird in ein Gärfass gefüllt. Fuhlrott: „Sie blubbert vor sich hin und nun müssen wir sogar 14 Tage warten, bis eine Abfüllung in Flaschen erfolgen kann.“ In Etzhorn ist man nun gespannt auf das erste selbst gebraute Bier.
