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NWZonline.de Region

Händewaschen und Abstandsregel: Wie der Unterricht in Corona-Zeiten aussieht

12.05.2020

Oranienburg (dpa) - In Reih und Glied stehen die Schüler der ersten Lerngruppe der Klasse 6b vor dem Eingang der Comenius-Grundschule in Oranienburg. Die Eimer, die neben ihnen stehen, kennzeichnen den geforderten Mindestabstand von 1,50 Metern.

Jeden der 13 Schüler lässt der Lehrer einzeln in das Schulgebäude und anschließend in den Klassenraum, wo sich alle gründlich die Hände waschen sollen.

"Unsere Schule ist eine Einbahnstraße. Alles was genutzt wird, geht immer nur in eine Richtung. Der Hof ist eingeteilt in abgetrennte Bereiche, in denen sich jeweils eine Lerngruppe bewegt. Ein Lehrer ist immer mit dabei", erzählt der Schulleiter, Jirco Cesal.

Kinder kennen die Regeln

Die Standards seien eigentlich jedem klar und die Kinder auf dem Schulgelände dementsprechend diszipliniert. "Wir niesen in die Armbeuge, wir waschen uns danach die Hände, wir tauschen keine Sachen aus, wir tragen die Masken. Da kommt viel von alleine", so Cesal.

Dennoch müssten sich die Abläufe an der Schule noch etwas einspielen, räumt der Schulleiter ein. Insbesondere bei den unterschiedlichen Ankunftszeiten der Lerngruppen, die im Viertelstunden-Takt das Schulgebäude betreten dürfen, gebe es noch Abstimmungsschwierigkeiten. "Wir hatten eine Lerngruppe, die sollte um 8.30 Uhr kommen. Die kamen einfach eine Stunde zu früh", erzählt er. Die Kommunikation sei durchaus noch verbesserungswürdig. Meistens seien es Kleinigkeiten, die nicht richtig verstanden würden oder falsch ankämen.

Begrenzte Schülerzahlen

Im Unterricht wird auf ausreichend Platz zwischen den Kindern geachtet. Jeder Schüler hat einen eigenen Tisch für sich, maximal 13 Kinder werden zeitgleich unterrichtet. Noch habe man die entsprechenden Raumkapazitäten, sagt Cesal. Würden jedoch mehr Schüler als die an diesem Tag etwa 100 anwesenden Kinder in die Schule kommen, würde es eng werden.

Das Platzproblem sieht bei einer weiteren Öffnung auch der Brandenburgische Pädagogen-Verband (BPV). "Wenn ich die Klassen in kleinere Gruppen teile, brauche ich auch mehr Räume und Personal." Beides fehle in vielen Schulen. Zumal viele Lehrer über 60 Jahren und Lehrer, die zur Risikogruppe gehörten, nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden könnten.

An der Comenius-Grundschule arbeiten nur wenige Lehrer, die zur sogenannten Risikogruppe gezählt würden, sagt Schulleiter Cesal. Vier Kollegen sind über 60 sechzig Jahre alt. "Wir können das Gottseidank noch stemmen und bitten deshalb die älteren Lehrer, zu Hause zu bleiben und andere Aufgaben als den Präsenzunterricht wahrzunehmen."

Mehrbelastung für die Lehrer

Denn da gibt es genug zu tun. Das Pensum der Lehrer sei deutlich angewachsen, berichtet Christine Noé, Lehrerin an der Comenius-Schule. "Es komme vieles zusammen: Das Home-Schooling, jede Menge Mails, der stete Kontakt zu den Eltern und Schülern und jede Menge Videokonferenzen." Das verursache eine spürbare Mehrbelastung. Sie unterrichte die Schüler teilweise per Videoschalte, zusätzlich müssten die Aufgaben in die Cloud gestellt und anschließend kontrolliert werden, sagt sie.

Gerade auf die jüngeren Lehrer komme es derzeit in vielen Schulen an, sagt BPV-Präsident, Hartmut Stäker. An ihnen bleibe der größte Teil der Arbeit hängen. Sie müssten sowohl den Präsenzunterricht gestalten und aufgrund ihrer oftmals besseren Kenntnisse in den digitalen Lernmethoden auch hier den Großteil leisten. "Viele arbeiten bis zum Erbrechen", so Stäker.

Kinder mit größerem Förderbedarf

Zu den 5. und 6. Klassen, die bereits wieder in der Schule unterrichtet werden, kommen an der Comenius-Grundschule kleinere Lerngruppen mit sogenannten Lernstützkindern. Hier sehen die Lehrer besonderen Bedarf, vor Ort zu unterrichten. "Wir haben einige Kinder, die wir über unsere digitalen Lernwege nicht erreichen. Die holen wir uns hierher", sagt Schulleiter Cesal. Diese Kinder seien aber die absolute Ausnahme.

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Mit Blick auf die bevorstehenden Planungen der politischen Entscheidungsträger hofft Cesal zunächst auf eine Rückkehr der älteren Schüler. "Die Erstklässler bekommen das mitunter einfach nicht hin. Die Großen sind viel disziplinierter", so Cesal. "Wir müssen jetzt erstmal abwarten."

Die Kultusminister der Länder hatten vor kurzem beschlossen, dass alle Schüler bis zu den Sommerferien zeitweise an die Schulen zurückkehren sollen.

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