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NWZonline.de Ratgeber Familie

Familien fühlen sich in Dietrichsfeld sicher

24.02.2018

Dietrichsfeld Es ist kalt an diesem Nachmittag. Doch eine kleine Gruppe an Bürgern aus dem Stadtteil Dietrichsfeld, dick eingepackt in Wintermantel, Schal und Mütze, hat sich entschieden, dennoch einen Spaziergang durch ihren Stadtteil zu unternehmen.

Es ist schon der dritte Rundgang dieser Art, den der Arbeitskreis (AK) Kriminalprävention des Präventionsrates Oldenburg (PRO) anbietet. Zweimal hat er schon mit Senioren einen Stadtteilrundgang veranstaltet (NWZ berichtete). Diesmal sind Eltern mit ihren Kindern eingeladen. Es geht darum, herauszufinden, wo sich die Bürger im Dietrichsfeld eventuell nicht immer sicher fühlen.

Objektiv ist’s oft anders

„Das subjektive Sicherheitsbefinden deckt sich nicht immer mit der objektiven Sicherheitslage“, erklärt Melanie Blinzler, Geschäftsführerin des Präventionsrates. Mit dabei sind unter anderem auch Hermann Lampen von der Bundespolizei und Staatsanwalt a. D. Jochen Künkel. „Nicht nur die Umgebung alleine, sondern auch andere Faktoren wirken sich auf das Sicherheitsgefühl und damit auch auf die Lebensqualität aus“, sagt Blinzler. „Es gab schon ähnliche Projekte wie dieses in Augsburg“, weiß Hermann Lampen.

Um 15 Uhr startete der Rundgang am Stadtteiltreff Dietrichsfeld. Nach einer kleinen Begrüßung durch Melanie Blinzler setzt sich der Trupp in Bewegung. Erstes Ziel ist der Weg zum Kindergarten. Es geht am Supermarkt vorbei. Die Kinder rennen und hüpfen unbeschwert. Es geht durch eine kleine Parkanlage. Hermann Lampen erzählt von der letzten Tour mit den Senioren. „Eine Frau fand eine der Straßenbeleuchtungen etwas gruselig, sie war zugewachsen. Ein Austausch ist wichtig, um Präventionsmaßnahmen vorzunehmen.“

Nächstes Ziel ist die Grundschule Dietrichsfeld. Amar Jaber ist acht Jahre alt. „Ich habe keine Angst in der Schule oder auf dem Weg. Mama bringt mich und meine kleine Schwester immer zur Schule“, sagt die Zweitklässlerin. „Ich habe nur Angst im Dunkeln“, gibt sie zu. Fateme Atai lässt ihre ältere Tochter, sie ist sieben Jahre alt, nun alleine zur Grundschule laufen. „Wir wohnen in der Nähe, und ich kann sehen, wie sie zur Schule geht. Ich fühle mich hier sehr sicher.“

Mit von der Partie ist auch Natalie Büter mit ihren zwei Kindern. Ihre Tochter ist zwei und ihr Sohn ist sechs Jahre alt. Auf die Frage, warum sie am Stadtteilrundgang teilnimmt, antwortet sie: „Man lernt ein paar neue Ecken kennen.“ Angst haben sie oder ihre Kinder nicht. Dennoch „sie dürfen natürlich nicht alleine auf der Straße laufen“, fügt die 37-Jährige mit Blick auf ihre Sprösslinge hinzu.

Kein typischer Angst-Ort

Angst machen ihr vor allem der Straßenverkehr und die sogenannten „Schlafampeln“ (Bedarfsampel, die sich erst beim Knopfdruck einschaltet und damit Energie spart). Es sei zwar kein typischer Angst-Ort, aber das Sicherheitsgefühl verschlechtere sich dadurch trotzdem, so die Mutter. „Obwohl die Ampel Rot zeigt, halten die Autos nicht. Als ob sie nicht existieren würde“, beschwert sich die Mutter. So mag sie ihre Kinder nicht draußen alleine rumlaufen lassen. „Gerade, wenn ich mit dem Kinderwagen unterwegs bin, der rollt dann nach vorne und könnte erwischt werden.“

Im vergangenen Jahr entstand die Idee zu den Stadtteilrundgängen. „Wir wollen über einen längeren Zeitraum und mit Menschen mit unterschiedlichem Alter dieses Projekt machen und mit ihnen darüber reden“, erklärt Melanie Blinzler. „Aus der politischen Lage heraus kam uns die Idee: Die Unsicherheit nimmt zu aber die Sicherheitslage hat sich nicht verschlechtert“, ergänzt sie. Beim letzten Mal mussten sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter schon über Vorurteile und Annahmen unterhalten, die die Bürger besorgten. „Sie stehen unter einem Einfluss der Berichterstattung und glauben, es sei unsicherer, wenn in einer Gegend mehr Menschen mit Migrationshintergrund leben, allerdings passiert dort eigentlich gar nichts“, so die Geschäftsführerin des Präventionsrates.

Über eine Stunde dauerte der Spaziergang. Danach hatten die Bürger die Möglichkeit, sich bei Kaffee und Kuchen im Stadtteiltreff aufzuwärmen. Ein weiterer Spaziergang ist im Sommer geplant. „Im Grunde herrscht eine große Zufriedenheit mit dem Stadtteil. Das freut uns“, zieht Melanie Blinzler als Fazit.

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