Petersfehn - Ein Tennisball erregt die Aufmerksamkeit von Fokko, Flemming, Friso, Feikje, Flora, Feline und Fehmi. Geschwind flitzen die sieben Welpen durch den Garten. Der gelbe Ball landet im Planschbecken. Kein Problem für die neun Wochen alten Riesenschnauzer: Mit einem Satz sind sie im Wasser. Mutter Bootje beobachtet das bunte Treiben derweil alle Viere von sich gestreckt aus dem Schatten.
Wehmütig betrachtet Dagny Engelbarts-Janßen ihre Vierbeiner. Die kleinen Welpen von Hündin Bootje sind der letzte Wurf der „Riesenschnauzer von den Kolonaten“. Die 42-Jährige gibt ihre Zucht auf. Bootje möchte sie nach einer schweren Geburt keinen weiteren Wurf zumuten. Engelbarts-Janßen müsste sich einen neuen Zuchthund aussuchen. Mit Bootje und ihrer Mutter Fenna betreut die Züchterin aber bereits zwei Vierbeiner. „Drei Hunde sind mir dann doch zu viel“, erklärt sie.
Die Hundezucht war ein Kindheitstraum der Petersfehnerin. Mit 14 kaufte sie sich vom Konfirmationsgeld einen Hovawart. Der Hund bekam aber keine Welpen.
2006 kam Riesenschnauzer Fenna in die Familie. Im August 2009 erblickte der erste Wurf der damals dreijährigen Hündin das Licht der Welt. Eine kleine Sensation: Gleich 12 Welpen wurden geboren (die Ð berichtete). Besonders die kleine Amely ist der Züchterin in Erinnerung geblieben. Sie landete bei einer Familie in Kalifornien. Geschwister leben heute u.a. in Frankreich und Holland.
Im Mai kamen Bootje und fünf Geschwister zur Welt. Engelbarts-Janßen spürte, dass in Bootje besonderes Potenzial steckt: Die Züchterin absolvierte mit der Hündin Fortbildungen im Bereich der tiergestützten Therapie. Bootje begleitet heute – genau wie ihre Mutter Fenna – ihr Frauchen zur Arbeit in die Linsweger Carlo-Collodi-Schule. Fenna macht es sich dann gerne mit den Kindern in der Bücherecke gemütlich. Bootje findet man auf dem Fußballplatz. „Wenn sie nicht schläft, ist sie ein richtiger Clown“, lacht die Züchterin.
Aber nicht nur die zwei Schulhunde haben Talent. Bootjes Bruder Brisco gehört der Rettungshundestaffel der Feuerwehr Duisburg an, Jade lebt in der Schweiz und wird zum Therapiehund ausgebildet, Carlo und E.Smilla sind Besuchshunde in Pflegeheimen bei Düsseldorf und in Xanten, Emma ist Schulhund in der Schweiz und Eelco ist Schulbesuchshund in Ellerau in der Nähe von Hamburg.
Auch auf den aktuellen Wurf warten neue Aufgaben. Die Zuchtwartin des Pinscher-Schnauzer-Klubs bescheinigte Engelbarts-Janßen einen gelungenen Wurf. Die Tiere würde durch ihre Unerschrockenheit und Neugierde bestechen. Diese positive Entwicklung sei einem Unglück zu verdanken: Als die Welpen drei Wochen alt waren, stürzte Engelbarts-Janßen und verletzte sich an der Hand. Familie, Freunde und Käufer kümmerten sich um die jungen Tiere. „Sie erhielten dadurch die beste Sozialisierung“, freut sich die Petersfehnerin. Je mehr Umweltreize der Welpe in der vierten bis zwölften Woche erlebe, desto leistungsfähiger sei er, erklärt die Züchterin. Fünf Welpen sind bereits vergeben, für Feikje und Flora sucht die Petersfehnerin noch Familien. „Anfragen haben wir genug, aber wir wählen mit Bedacht aus“, betont die 42-Jährige.
