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NWZonline.de Ratgeber Familie

Nacktfotos als Tauschobjekt: Lehrer warnen vor "Sexting"

31.10.2013

Besorgte Lehrer warnen vor einer neuen digitalen Untiefe: Mehr Schüler verschicken Sexbildchen übers Handy. Besorgt stoßen die Lehrer damit eine bekannte Debatte neu an. Denn viele Eltern wissen wenig darüber, was ihre Kinder in der digitalen Welt treiben.

Das "Sexting"-Problem ist den Schulleitern so wichtig, dass sie keine Zeit verlieren. "Wir ... stehen vor einem Problem", schreiben die fünf Pädagogen aus dem niedersächsischen Cloppenburg gleich im ersten Satz ihres Briefes an die Eltern. Immer häufiger berichteten Schülerinnen und Schüler von Nacktbildern, die über Soziale Netzwerke und Smartphones verbreitet würden.

Auf diesen Bildern seien auch eigene Schüler zu sehen, berichten die Schulleiter in dem Elternbrief, den der NDR auf seiner Webseite veröffentlichte. Der Schulleiter des Cloppenburger Clemens-August-Gymnasiums, Günter Kannen, sagte dem Sender, dass oft 13- bis 14-jährige Mädchen auf den Bildern zu sehen seien. Die Fotos würden schnell weitergereicht, "so dass alle Handys voll von Nacktfotos sind", sagte er dem NDR. "Ich finde es sehr erschreckend, vor allen Dingen wenn ich bedenke, dass wir Lehrer ebenso wie die Eltern von diesen Dingen tatsächlich nichts wissen."

Kannen und seine Kollegen sind auf ein Phänomen gestoßen, das aus den USA nach Deutschland herüberschwappt: das "Sexting". Das Kunstwort setzt sich aus "Sex" und dem englischen "texting" zusammen, was "SMS schreiben" bedeutet. Vor allem Jugendliche schießen anzügliche oder nackte Fotos von sich und anderen und stellen sie ins Internet oder verschicken sie mit dem Handy.

Denn ihre Smartphones benutzen Teenager schon lange nicht mehr vorrangig zum Telefonieren, wie es die Eltern vielleicht erwarten. Stattdessen kommunizieren sie über Apps wie WhatsApp, Snapchat oder Facebook. Auf Facebook sind 81 Prozent der 12- bis 19-Jährigen aus Deutschland aktiv, zeigen Zahlen der JIM-Studie über Jugendliche im Netz. Mit der App Snapchat können Nutzer Bilder verschicken, die sich innerhalb weniger Sekunden selbst zerstören. Der Anschein der Vergänglichkeit sorgte für einen Nutzeransturm, über 200 Millionen Bildchen werden inzwischen nach Angaben der Firma pro Tag verschickt.

Jugendliche nutzten auch die Frage-Webseite Ask.fm, um erotische Bilder hochzuladen, berichtet Stefanie Rack von der Initiative klicksafe. Sie hat Material zum Thema für Lehrer entwickelt. Teenager machten sich oft wenig Gedanken darüber, wie sich die Bilder im Internet verbreiten können, sagt sie. "Sie glauben immer noch, dass das nur ein eingeschränkter Kreis sehen kann." Weil die Apps ständig verfügbar sind, landeten Fotos schnell im Netz. Das sollten Eltern beim Smartphone-Kauf bedenken, warnen die Schulleiter. "Sie kaufen ein Gerät mit unbeschränktem Zugang zum Internet."

Zu überprüfen, was Kinder und Jugendliche damit anstellen, ist gar nicht so einfach. "Viele dieser Gespräche zwischen Jugendlichen laufen inzwischen versteckt", sagt der US-Forscher Justin Patchin von der Universität von Wisconsin. Früher führten Jugendliche etwa Telefonate vom gemeinsamen Familienapparat in der Küche, SMS und WhatsApp-Nachrichten dagegen sind für Eltern eben meist uneinsehbar.

Patchin forscht zu digitalem Mobbing, neben Nacktbildern ein weiteres Problem. Doch er warnt davor, die Verantwortung auf die Technik zu schieben: Dieses Schikanieren habe es lange gegeben, "bevor es diese Technologie gab", sagte er kürzlich bei einem Kongress gegen Cybermobbing in Berlin. Er rät Eltern, sich über Technik-Trends zu informieren, um ihren Kindern Rat geben zu können.

Eltern sollten mit Kindern und Jugendlichen über ihren Umgang mit Technologie sprechen, meinen die Experten. Denn die Verbreitung von Pornobildern könne auch rechtliche Folgen haben: "Die machen sich strafbar, wenn sie das anderen Jugendlichen zugänglich machen", warnt Rack von klicksafe. Sie rät Teenagern dazu, die Selbstdarstellung privat auszutesten - mit dem eigenen Partner, nicht dem Smartphone.

Mit Jugendlichen reden
Eltern sollten mit ihren Kindern darüber reden, wenn sie beim Sexting mitmachen, erklärt Kristin Langer, Mediencoach der Initiative "Schau hin - Was dein Kind mit Medien macht". Häufig hätten Teenager ein sehr reduziertes Bild davon, wie sie beim anderen Geschlecht Eindruck schinden können. "An dieser Stelle müssen Eltern als Gegenpol auftreten und das Bild geraderücken." Erwachsene könnten ihren Kindern erklären, dass die beim Sexting im Mittelpunkt stehende Körperlichkeit nur einen kleinen Teil der Sexualität ausmache. Bei den Jugendlichen dürfe nicht der Eindruck hängenbleiben: "Wenn ich will, dass mich jemand toll findet, muss ich ihm nur etwas von meinem Körper zeigen", warnt Langer. Das sei vor allem für Kinder belastend, deren Äußeres nicht dem gängigen Schönheitsideal entspreche. Stattdessen könnten Eltern erklären, dass es verschiedene Ausdrucksebenen zum Flirten gebe wie Sprache und Gesten. Vielen sei nicht klar, welche Gefahren mit dem Verschicken der Bilder verbunden sind. Oft könnten die Daten Mobbing und in der Folge psychische Belastungen nach sich ziehen, sagt Langer. Generell ist der Austausch von pornografischen Bildern für Minderjährige auch im Einvernehmen verboten.
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