• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber Familie

Wenn die Großfamilie zur Schauspieltruppe wird

15.12.2017

Oldenburg „Im Grunde ist es egal, ob man ein Kind oder sechs Kinder um sich hat; toll und anstrengend zugleich ist es so oder so“, sagt Arthy Kehmeier schmunzelnd und schaut ihren Mann Sven an. Der 37-jährige Eventmanager mit eigener Firma nickt. „Ja, aber sechs reichen dann auch.“ Kurzes Schweigen. „Ja?“ Die Ehefrau zuckt grinsend mit den Achseln. Die dreizehn Monate alte Tochter Klara meckert. „Momentan möchte sie sehr oft gestillt werden.“

Es ist Samstagnachmittag, in Eversten ist bei Kehmeiers die Kaffeetafel gedeckt: Dominosteine und ein Cola-Mischgetränk. „Das gibt es nicht oft bei uns“, sagt Arthy und deutet auf die Plastikflasche. „Wir trinken sonst nur Wasser“. Sechs Kinder im Alter von einem bis zwölf Jahren wuseln am oder um den Tisch herum. Es geht temperamentvoll zu, wie man es eben erwartet in einer Großfamilie. Hündin Alisha springt bellend umher, sie fühlt sich wohl in dem Trubel.

Mutter mit kleinem Putzfimmel

Wer das Haus der Kehmeiers betritt, staunt, wie unglaublich aufgeräumt es dort ist. Hier wohnt doch keine achtköpfige Familie? Wo ist das Chaos? Wo die vielen Schuhe, die Krümel, das überall verstreute Spielzeug? Ist es nur für unser Gespräch so ordentlich? Arthy Kehmeier lächelt verlegen. „Nein, hier sieht es immer so aus. Ich habe da wohl einen kleinen Putzfimmel.“ Die 35-jährige gelernte Fachfrau für Systemgastronomie schaut nachdenklich. „Woanders mag ich Durcheinander aber gern.“ Packen die Kinder mit an? „Nicht wirklich, müssen sie aber auch nicht. Ab und zu wäscht Thies ab oder kocht. Das ist aber nicht die Regel.“

Wie schaut der Alltag in der Großfamilie sonst aus? „Um zirka fünf Uhr dreißig steht Arthy auf, bereitet Frühstück und Pausenbrote vor und geht mit Alisha raus“, holt Sven Kehmeier aus. „Etwa Viertel nach sechs stehen wir anderen auf. Sind die Kinder in der Schule, kümmert sich meine Frau um Klara, Haushalt und Mittagessen.“ Arthy ergänzt: „Sven bekommt abends warm, wenn wir zusammen essen.“

Zwei Kühlschränke für acht Personen

Stichpunkt Lebensmitteleinkauf: Kehmeiers Kühlschrank muss ja riesig sein … Der Familienvater lacht. „Wir haben sogar zwei Kühlschränke: einen in der Küche mit den Dingen, die wir täglich brauchen und einen im Vorratsraum.“

Unter der Woche ist die Familie sportlich unterwegs: „Die beiden großen Jungs spielen Fußball und Tischtennis, Thies geht am Wochenende auch gern mal angeln. Laura und Josi sind bei den ‘Sweet Delights Cheerleaders’ der EWE Baskets aktiv, Tom spielt Fußball und tanzt gern Hip Hop“, erzählt Sven Kehmeier. „Ich selbst jogge und bin leidenschaftlicher Fan des FC Schalke 04. Auch Arthy möchte bald wieder mit dem Sport beginnen.“

Volles Programm

Volles Programm also. Wo findet sich da mal Zeit für eine Verschnaufpause für die Eltern? „Ohne meine Mutter würde vieles nicht funktionieren.“ Die Familienmutter deutet aus dem Fenster. „Sie lebt gleich nebenan. Kurz vor Klaras Geburt konnten Sven und ich ein langes Wochenende nach Amsterdam fahren. Oma hat in der Zeit auf alle Kinder aufgepasst – einfach unbezahlbar.“

Der sechsjährige Tom erklärt plötzlich feierlich, dass er ein paar Minuten älter ist als seine Zwillingsschwester Josefine, die gerade kippelt. „Vorsicht Josi!“, warnt Papa Sven. Schon ruft der neunjährige Till: „Wir haben keinen Fernseher mehr!“ Sven Kehmeier klärt auf: „Das ist unser aktuelles Familienprojekt. Seit Anfang Oktober und noch bis Neujahr wird hier nicht in die Röhre geschaut.“ Das kommt nicht bei allen Kindern gut an: „Blöd ist das!“, ruft Tom. Die anderen Schulkinder grinsen. Lautes Gieksen: Kleinstkind Klara ist es egal, sie wird gerade von allen Seiten beschmust und bekuschelt. „Wir dachten, das hört irgendwann auf“, freut sich Arthy und schaut liebevoll auf ihre Bande. „Aber Klara steht immer noch im Mittelpunkt.“

Einige bezeichnen die acht als die „Kelly Family Oldenburgs“. Was es damit auf sich hat? „Ich war vor vielen Jahren Tourmanager der Kellys“, erklärt Sven Kehmeier augenrollend. „Auf einem Konzert lernte ich Arthy kennen, sie war Fan. Wir haben relativ bald geheiratet und wollten schon immer viele Kinder. Dass es einmal sechs werden, hat aber nichts mit den Kellys zu tun ...“ Klara macht den Indianer. Wuwuwuwuuu ... Die ganze Familie macht mit – ein tolles Bild.

Negatives Image wird widerlegt

Leider sei das Leben als Großfamilie mit einem ziemlich negativen Image behaftet. „Als die Zwillinge kamen, waren die älteren drei Geschwister selbst noch sehr klein; wir hatten alle Hände voll zu tun. Waren wir einkaufen, ernteten wir vielsagende Blicke und zum Teil Kommentare wie ‘Guck mal da, die Hartzer’.“ Sven Kehmeier hält inne. Dann fährt er fort: „Da vergeht einem manchmal die Lust am Rausgehen.“ Seine Frau nickt wissend. „Das ist uns inzwischen aber egal ...“ Die siebenjährige Laura springt vom Stuhl. „Morgen fahren wir in die Spielscheune!“ Ihre Augen glänzen wie die Dekokugeln in der Wohnzimmerecke.

Apropos: Wie schaut es eigentlich mit den Weihnachtsvorbereitungen aus? Gibt es da nicht noch allerhand Besorgungen zu machen? „Nee“, lächelt Arthy. „Damit sind wir schon seit Mitte November fertig.“ Wie geht das denn? Sven Kehmeier hebt Laura auf den Schoß. „Ich wünsche mir eine Federmappe ...“, ruft die jetzt euphorisch. „Eigentlich ist es ganz einfach“, mischt sich der Papa dazwischen. „Einer beschäftigt die Kids, einer geht shoppen.“ Kurze Erzählpause, dann ein Grinsen. „Und dann gibt es ja zum Glück noch das Internet.“ Einen Wunschzettel für den Weihnachtsmann haben die Kinder aber nicht geschrieben oder gebastelt, die Wünsche gingen an die Eltern. „Und wir sagen dem Weihnachtsmann dann Bescheid“, zwinkert Mama Arthy. „Ich wünsch’ mir ein Handy!“, tönt da Till.

Märchenaufführung und Krippenspiel

Was passiert sonst noch so im vorweihnachtlichen Hause der Kehmeiers? „Wir machen eine Märchenaufführung“, berichtet Josi stolz und meint die vier mittleren Kinder. Eingeladen sind Oma, die Tante und noch ein paar andere Verwandte. Beim Krippenspiel in der Kirche seien sie dann auch dabei.

Sven (37): „besonders schön, weil ich das Strahlen der Kinder an Heiligabend liebe und zu Weihnachten mal Zeit für jeden einzelnen habe.“

Arthy (35): „warm, kuschelig, laut, teuer, aber wunderschön.“

Thies (12): „spannend, weil wir uns wie ein kompletter Chor anhören, wenn wir alle zusammen vor der Bescherung Weihnachtslieder singen.“

Till (9): „toll, weil hier immer was los ist.“

Laura (7): „toll, weil man auch mit den Spielsachen der anderen spielen kann!“

Tom (6): „schön, weil die Bescherung bei uns viel länger dauert als in anderen Familien!“

Josi (6): „manchmal nicht so toll, weil ich dann weniger Geschenke bekomme.“

Klara (1): „…Mamaaa…!“

Und das Weihnachtsessen? „Macht dieses Jahr die Oma“, freut sich Arthy Kehmeier. „Wir machen die Bescherung hier bei uns und gehen dann rüber.“ Das Dekorieren des Weihnachtsbaums ist ganz entspannt schon für Anfang Dezember geplant, „aber beim Schmücken dürfen wir nicht helfen“, murmelt der zwölfjährige Thies. „Da hat Mama ihre ganz eigene Ordnung.“ Da ist sie wieder, die Ordnungsthese; sie scheint zu stimmen. Die ganze Familie lacht und überlegt lauthals, wo das „gute Stück“ überhaupt stehen soll.

In den Urlaub mit dem Neunsitzer

Was steht für 2018 an? „Wir wollen verreisen! Lange Flüge fallen flach, da wären wir als Familie mit vier- bis fünftausend Euro dabei. Deshalb werden wir mit unserem Neunsitzer-Bus zum Zelten nach Skandinavien fahren ...“ Josi meldet sich. „Hauptsache, da gibt es ein Klo.“ Die anderen Kinder kichern.

Wir suchen eine Wohlfühl-Location für das Gruppenbild. Man entscheidet sich gemeinschaftlich für das fast drei Meter breite Familienbett. Hier sind alle willkommen, obwohl jedes Kind sein eigenes Reich als Rückzugsort hat. Das „Riesenbett“ ist aber nur zweite Wahl – zumindest, wenn es nach Till geht: „Der beste Platz auf der Welt ist bei Papa.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.