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NWZonline.de Region

KOS-Leiter: "Vermarktungswahnsinn etwas entgegensetzen"

23.05.2019

Frankfurt/Main (dpa) - Polizeikosten-Urteil, Abschaffung der Montagsspiele, der Ärger über den Videobeweis, Dauerbrenner Pyrotechnik. Nach einer turbulenten Fußball-Saison, die mit den Relegationsspielen und dem DFB-Pokalfinale endgültig zu Ende geht, ziehen auch die Fan-Szenen Bilanz.

Der Dialog mit den Vereinen und Verbänden bleibt ein schwieriger Balanceakt. "Ich bin davon überzeugt, dass es sehr viele gemeinsame Interessen gibt und habe die Hoffnung, dass man diese noch stärker wahrnimmt. Auch um dem Vermarktungswahnsinn und der damit verbundenen Aushöhlung des Wettbewerbs etwas entgegen zu setzen", sagt Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) in Frankfurt/Main.

Die DFL habe in den Fans ein ganz großes Unterstützer-Potenzial, wenn es wie in der Diskussion um die Ausweitung der Champions League darum gehe, die nationalen Ligen zu schützen. "Ich glaube, dass sich die Situation - bei all den noch bestehenden Konflikten - stabilisiert hat. Es gab definitiv keine Verschärfung, eher eine Bewegung, die ins Positive geht", so Gabriel. "Weiter zugenommen hat die Bereitschaft bei DFL, DFB und den Vereinen, mit den Fanszenen kontinuierlich im Dialog zu sein."

In den Fan-Organisationen wird das kritischer gesehen. Zwei fußballpolitische Machtkämpfe haben die Anhänger in dieser Spielzeit jedenfalls gewonnen: Bei Hannover 96 verhinderte die Basis in der Auseinandersetzung um die 50+1-Regel, die den Einfluss externer Investoren im Profifußball begrenzen soll, die weitere Machterhaltung von Hauptgesellschafter Martin Kind als Präsident. "Die Seriosität, mit der die Fans an der Thematik gearbeitet haben, belegt, was für ein wertvoller Partner sie sein können", sagt Gabriel der Deutschen Presse-Agentur. "Das gilt auch für die Weiterentwicklung des Fußballs: Schließlich haben Fans und Vereine das gleiche Interesse, dass die Nähe des Zuschauers zum Fußball beibehalten wird."

Nach nachhaltigen Fan-Protesten gab die Deutsche Fußball Liga (DFL) im November bekannt, dass die ungeliebten Montagsspiele von 2021/22 an abgeschafft werden. Die relativ kurzfristigen Ansetzungen der Spieltage in der 1. und 2. Liga ist der Interessengemeinschaft der Fanorganisationen "Unsere Kurve" aber noch immer "ein Dorn im Auge", wie ihr Sprecher Rainer Vollmer sagt. Die Dachorganisation der Profivereine wiederum hat schon häufig darauf verwiesen, wie viele Interessen und Zwänge sie beim Erstellen des Spielplans berücksichtigen muss.

Grundsätzlich sei der Dialog mit der DFL "äußerst schwierig. Wir sitzen an einem Tisch, aber wir wünschen uns noch mehr Mitspracherecht. Davon sind wir noch weit weg", sagt Vollmer. Dies gelte auch in Richtung Deutscher Fußball-Bund (DFB). "Lasst uns mal bei der Sportgerichtsbarkeit mit an den Tisch - wie zum Beispiel Schöffen an Amtsgerichten." Das DFB-Sportgericht hat auch in dieser Runde quasi wöchentlich Geldstrafen für Vereine ausgesprochen, dessen Anhänger bei Spielen Pyrotechnik abfackeln.

Verbotene Feuerwerkskörper bleiben das Symbol der Gräben zwischen DFB, DFL und den Ultra-Szenen. "Es gibt aber einige Vereine, wo man versucht, gemeinsam mit den Fans einen konstruktiven Weg zu gehen. Möglicherweise gehen bei der Entwicklung der sogenannten kalten Pyrotechnik ein paar Türen für einen alternativen Umgang auf", sagt Gabriel. "Wenn das gesundheitsgefährdet mitten im Block passiert, tolerieren wir das überhaupt nicht", erklärt Vollmer. "Aber wir verstehen nicht, warum man das gezielte Abbrennen nicht ausprobiert."

Einig sind sich Fan-Organisationen und DFL, dass zusätzliche Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen nicht auf Kosten der Clubs gehen dürfen. Nach der Niederlage vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig will die DFL alle Rechtsmittel ausschöpfen.

Auch wenn es in dieser Spielzeit nicht viele Ausschreitungen gab, wurden den Stadionbesuchern und Fernsehzuschauern im Oktober wüste Szenen vor Augen geführt: Berliner Ultras lieferten sich bei Herthas Partie in Dortmund heftige Prügeleien mit der Polizei, die in den Fan-Block vorgedrungen war. Das hatte die Debatte um Fanverhalten, Pyrotechnik und Sicherheit erneut angeheizt. Für "Unsere Kurve" sind die Polizeieinsätze "nicht immer voll durchgedacht", so Sprecher Voller: "Weniger wäre da manchmal mehr."

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