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NWZonline.de Region

Feinschliff mit der Holzhammer-Methode

24.07.2010

APEN Für Musiker ist die Sache sehr einfach: Eine Gitarre ist dann eine gute Gitarre, wenn sie sich erstens gut spielen lässt und zweitens gut klingt.

Ungleich komplizierter ist die Sache für den Gitarrenbauer.

Das Holz macht die Musik

Daniel Stark zupft ein flaches Brett aus dem raumhohen Regal, „das ist ostindischer Palisander“, erklärt er. Er hätte auch vom Stapel daneben ein Blatt Bergfichte nehmen können, „die habe ich mir aus den Schweizer Alpen geholt, das Holz ist in 1600 Metern Höhe gewachsen“. Stark schnippt mit seinem Finger gegen den Palisander, es macht „Plopp“, dann schnippt er mit dem Finger gegen die Fichte, es macht wieder „Plopp“, aber ein bisschen anders. Stark lächelt zufrieden: Palisander ist in Gitarrenbauerkreisen berühmt für seinen bassigen Ton, die Bergfichte ist beliebt für ihre Klarheit.

Weil Daniel Stark, 29, ja ein Gitarrenbauer ist, könnte er den Palisander nun in den grünen Schraubstock klemmen und ein paar gitarrenartige Kurven hineinsägen. Dann könnte er aus dem Regal gegenüber ein Kantholz aus Brasilzeder ziehen und solange alles Überflüssige weghobeln, bis nur noch ein Gitarrenhals übrigbliebe. Er könnte auch noch einen Boden schnitzen, aus Kirsche zum Beispiel, und mit dem 200 Grad heißen Biegeeisen könnte er passende Zargen formen. Das würde er alles zusammenleimen, und irgendwann, vielleicht ein Jahr später, wäre eine Konzertgitarre fertig.

Instrumente nach Maß

Aber, fragt Stark, wer würde die spielen? „Jemand, der auf der Bühne vor 1000 Menschen auftritt? Oder jemand, der allein zu Hause musiziert?“

Der Gitarrenbauer steht lächelnd in seiner neuen Werkstatt an der Aper Hauptstraße, in seinen Händen dampft eine Tasse Kaffee. Vom Garten her schleicht sich das Morgenlicht in die 100 Jahre alte Villa, es tropft Lichtkleckse auf die Holzdielen am Boden und auf die Gitarren an der Wand.

Stark erzählt eine Geschichte: Eines Tages kam ein Musikprofessor aus der Slowakei zu ihm; er hatte eine seltene Pilzkrankheit unter den Fingernägeln und konnte nicht mehr richtig die Saiten anschlagen. „Dreimal habe ich mir sein Spiel angeschaut“, sagt der Gitarrenbauer, „und dann fing ich an, auszuprobieren.“ Er sägte und leimte, der Professor spielte, und am Ende war da eine Gitarre mit einer Decke aus Zeder und Balsaholz, „das ist besonders leicht und hat eine gute Lautstärke bei geringem Kraftaufwand“. Jetzt gibt der Professor wieder Konzerte.

Daniel Stark sagt, er habe früh gewusst, dass er Gitarrenbauer werden wollte. Beim Arbeitsamt war das leider nicht so bekannt: Als der begeisterte Klassik-Gitarrist und Hobby-Handwerker seine Interessen in den Computer eintippte, empfahl der ihm, Goldschmied oder Zahntechniker zu werden. Also ging Daniel direkt weiter in die Stadtbibliothek, „da gab es drei Bücher über Gitarrenbau, die habe ich gelesen“. Anschließend wusste er, die Sache würde doch ein wenig umständlicher werden.

Studium im Vogtland

Er sprach mit Musikern und Instrumentenbauern, absolvierte monatelange Praktika und baute schließlich seine erste eigene Gitarre. Er erfuhr, dass man Gitarrenbau sogar studieren kann, und so landete Stark schließlich in der Villa Merz in Markneukirchen im Vogtland: Dort sitzt die Fachrichtung Musikinstrumentenbau der Fachhochschule Zwickau, 35 Studenten gibt es da.

Acht Semester studierte der gebürtige Oldenburger, „die Hälfte des Studiums war Handwerk, die andere Hälfte Theorie“. Er paukte Musikgeschichte und Akustik, Mechanik und Farblehre, baute nebenbei 14 Instrumente, und jetzt darf er sich „Diplom-Musikinstrumentenmacher, Fachrichtung Zupfinstrumentenbau“ nennen. Das tut er aber nur auf Nachfrage.

Denn Gitarristen interessieren sich nicht sonderlich für Titel – sie wollen ja nur wissen, ob sich eine Gitarre gut spielen lässt und ob sie gut klingt. Deshalb stellt Daniel Stark jetzt auch seinen Kaffee zur Seite und greift zum Holzhammer, die Gitarre im Schraubstock hat noch ein paar Kanten. Zehn Gitarren baut er so pro Jahr, sie kosten zwischen 3000 und 10 000 Euro pro Stück. Stark verkauft sie inzwischen europaweit.

„Ich probiere dabei immer wieder Neues aus“, erklärt er. Neulich hat er auf Anregung eines Profi-Gitarristen seine erste Jazz-Gitarre gebaut; sie hat einen sogenannten Cutaway, einen Ausschnitt am Gitarrenkorpus, der das Spiel in hohen Lagen ermöglicht. Ein Modell hat er außerdem mit einer schicken Armauflage versehen, „die ist ergonomisch und verhindert den typischen Druckschmerz“.

Musik im Urlaub

Stark seufzt, er selbst hat leider nur selten Druckschmerz. Denn das ist der Nachteil an seinem Beruf: Er selbst kommt kaum noch zum Spielen. „Aber in den Urlaub“, verspricht er sich, „nehme ich mir eine Gitarre mit, dann spiele ich täglich.“ Einpacken werde er natürlich ein Stark-Modell, sagt Daniel, der Musiker: Da finde er ganz schnell eine Gitarre, die er erstens gut spielen kann und die zweitens gut klingt.

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Arbeitsamt Apen | Fachhochschule Zwickau