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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Tv-Krimi: 17-Jährige verfällt mörderischer Ideologie

03.11.2016

Kiel „Liebe Mama, wenn Du das hier liest, werde ich nicht mehr da sein“, schreibt die 17-jährige Julia. Die Kieler Schülerin aus einem bürgerlichen Haushalt ist zum Islam konvertiert, sie will nach Syrien und einen ihr nur vom Skypen bekannten IS-Kämpfer heiraten. In der Kieler Innenstadt treffen Julia feindselige Blicke. Ein Passant spuckt vor der schwarz verhüllten Muslimin auf den Boden. In der tristen Hinterhof-Moschee, die Julias religiöser Zufluchtsort wurde, findet der „Tatort“-Krimi „Borowski und das verlorene Mädchen“ an diesem Sonntag (20.15 Uhr) im Ersten schließlich sein tragisches Ende.

Die in einem religiösen Irrweg scheiternde Identitätsfindung einer Jugendlichen und die islamistische Parallelwelt einer Salafisten-Gemeinde bilden den Rahmen dieser plakativen Psycho- und Sozialstudie. Der Hintergrund ist real. „In Deutschland sind etwa 9000 Salafisten aktiv“, sagt Marwam Abou Taam, Islamwissenschaftler, Politologe und Terrorismusexperte beim Landeskriminalamt Rheinland Pfalz. Er hat das „Tatort“-Team fachlich beraten. Knapp 900 Personen sind nach seinen Angaben aus Deutschland ausgereist, davon um die 180 Frauen.

Der Grimme-Preisträger und Doku-Drama-Spezialist Raymond Ley („Eichmanns Ende“) lässt in dem Fernsehkrimi eine dokumentarische Herangehensweise und „dokumentarische Farbe“, wie er selber sagt, spüren. Kein Postkarten-Idyll, sondern nüchtern realistisch sind die Spielorte gefilmt. Zwischen einigen Szenen sind Texttafeln mit blutroter Schrift eingeblendet, anfangs „Ich habe Schuld auf mich geladen“ und wenig später „Euer Leben ist nicht mein Leben“.

Julia (beeindruckend: Mala Emde) bricht mit ihrer Familie, mit ihren Freundinnen auf der Schule. Das Verhältnis zur Mutter ist ohne Vertrauen. Denn sie saß am Steuer, als ihr Vater bei einem Unfall starb.

Ihren Bruder, mit dem sie sich nicht versteht, bezichtigt Julia bei der Polizei des Mordes an einer Mitschülerin. Diese wird tatsächlich am Morgen danach tot in der Kieler Förde gefunden.

Das ist der eine Handlungsstrang, der Mord, den Kommissar Borowski (wie immer sympathisch ruhig-ironisch: Axel Milberg) und seine Kollegin Sarah Brandt (mit viel Empathie: Sibel Kekilli) aufklären wollen.

Doch im Mittelpunkt steht das Hineingleiten in die islamistische Parallelwelt, in der Julia Halt sucht. „Ich will nicht mehr die sein, die ich bin, ich will nicht mehr da sein, wo ich bin“, sagt die Heranwachsende in ihrer Entwicklungskrise.

Und während sie durchs Kieler Rotlichtviertel geht, sagt sie im inneren Monolog: „Ich werde einen Gott finden, der meine Wunden heilt“. Später sagt sie: „Ich habe die Antworten auf alle meine Fragen im Islam gefunden.“

Dieser „Tatort“ nimmt den Zuschauer mit in die von religiösem Fanatismus, Hass auf den Westen und Gruppenzwängen geprägte Welt der Hinterhof-Moschee – in der Frauen nichts zu sagen haben.

Als Gaststar spielt Jürgen Prochnow („Das Boot“) Kesting, den Leiter einer Staatsschutz-Abteilung. Borowski, der den Mordfall zu lösen hat, und Kesting kommen sich dabei in die Quere. Denn für den Staatsschutz, der die Moschee observiert, geht es um übergeordnete Sicherheitsinteressen. Eine in die Gemeinde eingeschleuste V-Person wird ermordet.

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