NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

70. Geburtstag: Als Journalistin in ihrem dritten Leben

22.06.2016

Hamburg Maria von Welser ist sich treu geblieben: Ihr drittes aktives Leben, wie die Journalistin ihren „Unruhestand“ beschrieben hat, ist derzeit so ausgefüllt, dass ihr selbst zum 70. Geburtstag am 26. Juni kaum eine Atempause bleibt. Denn am 1. Juli stellt die gebürtige Münchnerin im Literaturhaus der Stadt ihr neues Buch „Kein Schutz – nirgends. Frauen und Kinder auf der Flucht“ vor.

Seit Welser als Direktorin des NDR-Landesfunkhauses in Hamburg 2010 ausschied, hat sie schwer misshandelten oder geflohenen Frauen im Gedruckten eine Stimme gegeben. Für ihr Buch „Wo Frauen nichts wert sind. Vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen“ (2014) reiste sie nach Indien, Afghanistan und in den Ost-Kongo. Nun war es die Frage, warum Flüchtlingsfrauen aus Syrien buchstäblich auf der Strecke bleiben, die Welser unter anderem in Aufnahmelager in die Türkei, nach Griechenland und in den Libanon führte. „Sie ist nie den bequemen Weg gegangen“, sagte NDR-Intendant Lutz Marmor kürzlich über sie.

„Ich bin durch ,Mona Lisa’ immer sehr nah an den Frauenthemen dran gewesen, und mich hat Unrecht immer schon sehr wütend gemacht“, sagt die Autorin zu ihrer Triebfeder. Für das ZDF-Journal „Mona Lisa“ erhielt sie 1996 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus. In der späteren ZDF-Verbrauchersendung „Mit mir nicht“ stand Welser als „Anwältin des kleinen Mannes“ Benachteiligten zur Seite.

Für ihre „ungeschminkte Berichterstattung über misshandelte Frauen und Kinder im ehemaligen Jugoslawien“ fiel sie als „Frau des Jahres“ (1993, Deutscher Staatsbürgerinnenverband) auf. Nun hat sie Schicksale in Not geratener, vergewaltigter und misshandelter Frauen aufgedeckt, die aus Syrien fliehen mussten.

„Ich möchte dieses Unrecht benennen. Ich möchte es festhalten, damit niemand sagen kann: Ich habe es nicht gewusst“, bekräftigt die Publizistin – und macht weiter: „Ich gucke, dass ich mit allen Themen auf dem allerneuesten Stand bin. Ich bin und bleibe Journalistin.“

Mit dieser Haltung hat sie auch den US-Präsidentschaftswahlkampf im Blick: „Ich hoffe sehr, dass die Amerikaner vernünftig sind und sich für Hillary Clinton entscheiden. Ich fürchte nur, dass die Terrorattacke in Orlando die Diskussionen in den USA über Muslime, den Islam sowie die Gefahren des IS-Terrors wieder hochkochen lässt – alles Themen, die Donald Trump leidenschaftlich vorantreibt“, sagt Maria von Welser.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.