• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Als sympathisch empfundene Gangster

01.08.2013

Berlin Vergleichsweise nobel, in dunklem Anzug und mit Bowler-Hut, war der Auftritt der Herren – in ihren Schirmen verbargen sie allerdings Schlagstöcke. Minutiös plante das gute Dutzend Geschäftsmänner – fast alle Familienväter – seine Projekte und führte sie ebenso präzise aus. So gelangten eines Nachts 128 prall gefüllte Geldsäcke mit 2,6 Millionen Pfund Sterling in ihren Besitz. Kurz darauf zerstreute sich die Bande, wurde verhaftet, verurteilt, einige Mitglieder konnten ins Ausland fliehen. „The Great Train Robbery“ (Der große Postzugraub) nennt man in Großbritannien den legendären Überfall auf den Postzug der Royal Mail von Glasgow nach London am 8. August 1963.

Die verhängten Gefängnisstrafen waren zunächst drakonisch. Das meiste Geld aus dem größten Eisenbahnraub aller Zeiten wurde nie wiedergefunden. In Deutschland brachte es der Dreiteiler „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ nach der Reportage des „Stern“-Autors Henry Kolarz 1966 zum ersten „Straßenfeger“ der jungen Fernsehnation.

Horst Tappert (später Oberinspektor „Derrick“) als Oberhaupt der von vielen Bürgern als sympathisch empfundenen Gangster, die den Gebrauch von Schusswaffen ablehnten, errang durch den schwarz-weißen Real-Krimi Kultstatus. In Erinnerung an den Fall vor 50 Jahren, der durch die neuen Massenmedien noch angetrieben wurde, zeigt Arte an diesem Freitag (20.15 Uhr) Carl-Ludwig Rettingers zweiteiliges Doku-Drama „Die Gentlemen baten zur Kasse“.

Der Mix aus Original-Nachrichtenbildern, Fernsehszenen mit reizvoller 60er-Jahre-Patina, Familienaufnahmen sowie aktuellen Recherchen und alten und neuen Interviews quasi mit Räubern und Gendarmen vermag über seine 160 Minuten lang zu fesseln. Obwohl der in Brasilien verarmte Ronald Biggs (83) bei uns populärer ist, rückt Rettinger Bandenchef Bruce Reynolds in den Mittelpunkt – die Tappert-Figur der deutschen TV-Version, in der aus rechtlichen Gründen alle Fantasienamen trugen. „Das ist mein Eldorado – das große Ding, das unsere Zukunft sichern wird“ – der Gedanke habe ihn motiviert, sagt der kurz darauf mit 81 Jahren gestorbene Reynolds im Film. Nach spät erfolgter zehnjähriger Haft war er zum – allerdings finanziell erfolglosen – Autor, Schauspieler und Medienliebling aufgestiegen.

Wie viele aus seiner sogenannten „Firma“ stammte Reynolds aus einfachen Verhältnissen. Sehr früh kam er mit dem Gesetz in Konflikt, wollte hoch hinaus. Mit großer Liebe zu seinem Vater spricht sein Sohn Nick Reynolds. Der 52-jährige Bildhauer ist selbst weltberühmt – als Musiker der Rockgruppe „Alabama 3“.

In der Dokumentation wird auch sichtbar, in welch hohem Maß die Polizei bis in die 70er Jahre mit der Londoner Unterwelt verbunden war.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.