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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Tv-Show: Rendezvous mit Diva der Kleinkunst

11.10.2017

Amsterdam /Berlin Das Licht in der Bar ist gedämpft, die Band spielt leise, der Schampus perlt in den Gläsern. Der perfekte Rahmen für ein Rendezvous. Und dann springt Sven Ratzke (40) auf die Bühne. Nicht gerade unappetitlich in seinem engen schwarzen Anzug, das blonde Haar wirr und wuschelig, das gelbe Hemd körperbetont und weit ausgeschnitten.

Ratzke ist die Diva des Cabarets, wie Kritiker schreiben – der „Homme Fatale“ der Kleinkunst. Der Sänger betört sein Publikum von Berlin nach Amsterdam, von New York bis Sidney mit einer ungeheuer wandlungsfähigen Stimme, Poesie, urkomischen Texten und schamlos-schrillem Glamour.

Und nun hat am Donnerstag, 12. Oktober, 23.30 Uhr, seine erste eigene TV-Show Premiere. Er ist charmanter Gastgeber der neuen, zweiteiligen Late-Night-Show im Ersten: „Ratzkes Rendezvous“. In der intimen Nachtclubatmosphäre der Berliner „Bar jeder Vernunft“ empfängt er seine Gäste – vor Publikum und mit Musik versteht sich.

„Ich lade Gäste ein, die ich besser kennenlernen will“, sagt Ratzke im Interview in Amsterdam, seinem Wohnort. Zum ersten Rendezvous kommen die Schauspieler Katharina Thalbach und Gustav Peter Wöhler sowie Sänger Marius Müller-Westernhagen.

„Wir plaudern, trinken etwas, machen ein Spielchen und musizieren zusammen,“ sagt Ratzke.

Das ist lockeres holländisches Understatement: Denn natürlich sprühen die Funken, flirtet Ratzke schamlos mit den Gästen (und auch mit dem Kellner) und sie mit ihm. Schließlich ist er der „Homme fatale“.

„Das Schamlose, Freche“, so erklärt der Künstler selbst, „ist das Holländische in mir.“ Als Sohn von deutsch-niederländischen Hippies ist er in zwei Welten zu Hause. Er wurde am Niederrhein geboren, wuchs in den Niederlanden auf und wohnt heute mal in Berlin, mal in Amsterdam. Typisch deutsch an ihm sei „das Theatralische“.

Der schlanke Blonde spielt gern mit deutsch-holländischen Klischees. „Als Holländer kann ich mir mehr erlauben auf deutschen Bühnen.“ Und er schließt sicher nicht aus, dass es bei seinem „Rendezvous“ etwa frecher zugeht, als sonst bei einer ARD-Talkshow.

Auf der anderen Seite verwirrt er auch die Holländer mit deutscher Ironie. Etwa bei den „deutsch-niederländischen Nächten“, zu denen er regelmäßig einlädt. Wenn Ratzke etwa mit seinem hinreißend komischen Song den „Sexappeal“ der Deutschen besingt, dann werden sogar die Holländer still, die ja sonst nicht so auf den Mund gefallen sind. Soviel Selbstspott trauen sie ihren angeblich humorfreien Nachbarn nämlich nicht zu.

Auch musikalisch hüpft Ratzke mühelos von einem Genre zum nächsten: Pop, Jazz, Rock, Chanson oder Schlager – er beherrscht alles. „Ich passe nicht in Schubladen, und das will ich auch nicht“, sagt er. „Ich nasche mal vom Mainstream und mal vom Underground.“ So interpretiert er David Bowie, Lou Reed, aber auch Gloria Gaynor oder Zarah Leander.

Auch in eigenen Songs nimmt er sein Publikum gern mit auf eine poetische Reise durch das Nachtleben. Seine neue Bühnenshow „Homme Fatale“ hat am 16. Oktober in Berlin Premiere. Inspiriert wird er von der Stimmung in den Nachtclubs der 1920er Jahre.

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