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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Beklemmender „Tatort“ aus Kiel: Borowski und Sahin ermitteln in der Incel-Szene

06.03.2021

Kiel Ein „Tatort“ über Gewalt gegen Frauen: Kurz vor dem internationalen Frauentag beschäftigt sich der Sonntagskrimi in der ARD mit einem brisanten Thema. Es geht in dem packenden Film mit den Kieler Kommissaren Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) um die Incel-Bewegung, in der sich überall auf der Welt Männer zusammenschließen, die sich von Frauen abgelehnt fühlen und deshalb einen tiefen Hass aufs andere Geschlecht entwickeln. Wie so viele unguten Strömungen und Entwicklungen spielt sich diese Verachtung hauptsächlich in geschützten Internetforen ab, wo frustrierte Männer über angeblich demütigende Erfahrungen mit Frauen klagen, sich in regelrechte Wutphantasien hineinsteigern und sich gegenseitig zu Gewalt gegen Frauen, aber auch gegen Migranten, Juden oder Schwule aufstacheln – der Menschenhass macht vor kaum etwas Halt, die Grenzen zum rechtsextremen Milieu sind in diesen Chatrooms fließend.

Autoren haben umfassend in der Incel-Szene recherchiert

Auch im beklemmenden Krimi „Tatort: Borowski und die Angst der weißen Männer“ (7.3., ARD) lädt sich ein junger Mann mit diesem Hass im Internet regelrecht auf, bevor er zur Tat schreitet. Der Film, für den die Drehbuchautoren Peter Probst und Daniel Nocke umfassend in der Incel-Szene recherchiert haben (Incel steht für Involuntary Celibate, was übersetzt unfreiwilliger Zölibat bedeutet), ist ein spannender Krimi über ein wichtiges Thema und erzählt zugleich die durchaus tragische Geschichte eines fehlgeleiteten Außenseiters, der keineswegs als gefühlloses Monster gezeichnet wird. Ein weiterer großer Pluspunkt: Die schon mehrfach mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Regisseurin Nicole Weegmann verzichtet darauf, die Not der Opfer voyeuristisch auszuschlachten, wie das allzu oft in Krimis über Gewalt gegen Frauen geschieht. Ihr Krimi geht in manchen Szenen ans Eingemachte, weidet sich aber nicht am Schrecken und verzichtet fast völlig auf grausame Details.

Borowski findet ersten Hinweis

Der Kieler „Tatort“, in dem die beiden Kommissare voll gefordert sind, beginnt mit einer klassischen weiblichen Angstsituation: Eine Frau wird von bedrohlichen Gestalten in einem nächtlichen Parkhaus verfolgt und überfallen. Die tödliche Gewalttat, um die sich die ersten Ermittlungen von Borowski und Sahin drehen, findet jedoch an anderer Stelle statt: Auf einer verwahrlosten Brachfläche in der Nähe eines Clubs wurde eine mit K.O.-Tropfen betäubte junge Frau brutal misshandelt und getötet. Der findige Borowski muss am Fundort der Leiche buchstäblich im braunen Schmutz wühlen, um einen ersten Hinweis zu finden, und es gelingt ihm: Der Täter hat die Zahl 14 in den Dreck geritzt, ein Erkennungszeichen amerikanischer Neonazis – es steht für 14 Wörter, die einen Glaubenssatz dieser Bewegung bilden.

Verdächtiger folgte einem frauenfeindlichen Populisten

Die Spur führt zu Mario Lohse (klasse: Joseph Bundschuh), einem schüchternen jungen Mann, der tagsüber im Parkhaus an der Kasse sitzt und in der fraglichen Nacht im Club mit dem Opfer gesehen wurde. Der vorübergehend festgenommene Lohse, ein im Grunde seines Herzens eher sanftmütiger Außenseiter, ist ein Anhänger des extrem frauenfeindlichen Populisten Hank Massmann (Arnd Klawitter), der im Internet seine Hassbotschaften verbreitet und von der angeblichen Domestizierung des deutschen Mannes schwadroniert.

Borowski beschließt, dem Hass-Propheten undercover auf den Zahn zu fühlen, seine Kollegin Sahin warnt derweil die Kieler Politikerin Birte Reimers (Jördis Triebel), die Massmann in einer Talkshow Paroli bot und deshalb akut bedroht wird. Als Mario Lohse wieder auf freien Fuß gesetzt wird, sind die Kommissare alarmiert, denn sie ahnen, dass der fehlgeleitete junge Mann eine tickende Zeitbombe ist.

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