BERLIN - Heidi Klum (37) geht wieder als Oberjurorin für ProSieben auf die Suche nach „Germany’s Next Topmdodel“ – zum sechsten Mal in jährlicher Folge. Diesen Job nimmt sie ernst, als ginge es um Leben und Tod.

Model Klum heizt die Stimmung per „Bild“-Interview an – was braucht ein Mädchen, um so zu werden wie das große Vorbild? „Biss! Ehrgeiz! Professionalität!“, antwortet sie. „Wenn es eine junge Frau in diesem Business zu etwas bringen möchte, muss sie die Zähne hart zusammenbeißen.“ Sie selbst sei auch so was von hart gewesen: „Ich habe mit hohem Fieber vor der Kamera gestanden, weil es um sehr viel Geld geht. Da stehen Dutzende Menschen am Set und warten nur auf einen Menschen – auf DICH und darauf, dass DU perfekt funktionierst.“

So müssen die 50 „Mädchen“ – „Topmodel“-Jargon für die Bewerberinnen, egal ob 16 oder 25 Jahre alt – gleich in der ersten Sendung (diesen Donnerstag, 20.15 Uhr) eine echte Mutprobe bestehen: In Abendkleid und High Heels müssen sie über einen Wackel-Laufsteg stöckeln, darunter gähnt der Abgrund – respektive ein Schwimmbecken. Schon in den ersten Ausschnitten, mit denen ProSieben auf Promo-Tour ging, werden die altbekannten und erfolgreichen Casting-Show-Muster sichtbar: Es geht nur vordergründig um den Lauftest, die Jury-Meinung über einige Kandidatinnen stand wohl schon vorher fest, Zickenkriege werden angebahnt und genüsslich vor der Kamera ausgebreitet.

Heidi Klum gefällt sich wieder als Modelmutter der Nation: Sie darf erschreckt die Augen aufreißen, ungläubig mit dem Kopf schütteln und Zeigefinger erhebend tadeln: „Was war das denn jetzt?“, „Das kannst Du aber besser...“ oder „Ts, ts, ts“. Sie thront deutlich herausgehoben in der Mitte der Jury-Troika, neben ihr die beiden Neuen: Creative Director Thomas Hayo (41) – mit Lederjacke, Zottelbart und öligem Haar der Kerl, den die Mädchen anhimmeln dürfen – und Designer Thomas Rath (44) – stylish und überkandidelt erinnert er an Bruce Darnell und Rolf Scheider.

Das Interesse junger Frauen an der Castingshow hat zuletzt deutlich nachgelassen: 13 374 Kandidatinnen bewarben sich diesmal, im Jahr 2010 waren es noch fast 10 000 mehr (23 248). Insgesamt 50 wurden für die erste Show ausgewählt, in der mehr als zehn von ihnen bereits rausgeworfen werden.

Auch im Fernsehen schwächelte das Format zuletzt: 3,01 Millionen Zuschauer erreichte die fünfte Staffel im Schnitt, der Marktanteil lag bei 10,1 Prozent; bei den Jüngeren von 14 bis 49 Jahren waren es 18,1 Prozent. Zwar sind das immer noch Werte deutlich über Senderschnitt, gleichzeitig aber auch die zweitschwächsten in der „Topmodel“-Geschichte.