BERLIN - Die Kritik an der RTL-Sendung „Erwachsen auf Probe“ reißt nicht ab. Am Freitag zeigten sich erneut Politiker empört über das Doku-Format, das am 3. Juni startet. „Hier werden pädagogische Spielchen und selbstgebastelte Reifetests auf Kosten von Kleinkindern gemacht“, sagte Bremens Sozialsenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD). Der Sender wies die Kritik erneut zurück und lud „alle interessierten Journalisten und Kritiker“ für den 22. Mai zu einem „Screening“ und einer „inhaltlichen Diskussion“ ein.

In der siebenteiligen Sendung „Erwachsen auf Probe“ werden Kinder in verschiedenen Altersstufen an vier Teenager-Paare mit Kinderwunsch „verliehen“, um deren Reife zu testen. Nach Angaben von RTL wurde die Sicherheit der Babys durch die ständige Anwesenheit einer Erzieherin, einer Kinderkrankenschwester und einer Psychologin gewährleistet.

Rosenkötter appellierte dennoch, „auf diese und ähnliche Fernsehformate in Zukunft ganz zu verzichten“. Die baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Christoph Palm (CDU) und Jürgen Walter (Grüne) forderten die Landesanstalt für Kommunikation und die Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) auf, die Doku-Soap kritisch zu prüfen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen. Palm sagte, RTL nehme in dem Format keinerlei Rücksicht auf die Schutzbefohlenen. Dies wiege besonders schwer, da es sich um Babys und Kleinkinder handele, und daran ändere auch die Anwesenheit eines Kinderarztes und -psychologen nichts.

Der Kinderarzt und Vizepräsident der Ärztekammer Niedersachsen, Gisbert Voigt, sagte, er unterstelle dem Sender zwar, dass er ein Problem ansprechen wolle. Jungen Erwachsenen fehle heute die Erfahrung mit Kleinkindern. „Aber deshalb kann ein Sender nicht einfach hingehen, Teenagern ein Baby geben und sagen: Macht mal.“