BERLIN - Bis zu zwei Millionen Zuschauer nehmen Nachmittag für Nachmittag an ihrem Schicksal teil. Verpassen keine Fütterung, keine Befruchtung und keinen Besuch beim Tierarzt. Dass der deutsche Zoo das Potenzial zum Zuschauermagneten hat, konnte vor fünf Jahren wohl niemand wissen. Dann ging die ARD im Frühjahr 2003 mit der vom MDR produzierten Reihe „Elefant, Tiger & Co.“ auf Sendung. 15 Minuten pro Woche konnte man das ereignisreiche Dasein der Tiere und Pfleger im Leipziger Zoo verfolgen.

Inzwischen füllt das Zootreiben fast jeden Tag eine knappe Stunde ARD-Programm. Nach dem Erfolg der ersten Staffel aus Leipzig ging das Format auf Tour: Alle 25 bis 60 Folgen wechselte der Schauplatz. „Seehund, Puma & Co.“ kam aus dem Tierpark Jaderberg, dem Zoo am Meer in Bremerhaven und der Seehundstation Friedrichskoog, und so ging es weiter.

Acht Serien ähnlichen Titels gibt es bereits. Das ZDF übernahm das Konzept 2006, derzeit legt der Bayerische Rundfunk nach. Es scheint ein reges Interesse am Gefühlsleben und der Verdauung der verschiedensten Tierarten zu geben. Aber inspirieren die Soaps auch zu einem Besuch im Zoo? „Tatsächlich geben viele an, wegen der MDR-Serie gekommen zu sein“, sagt Sprecherin Melanie Ginzel vom Leipziger Zoo. Daraus lässt sich allerdings noch nicht schließen, dass die Serien, die anrührende Geschichten aus dem Zooleben erzählen, das Interesse ihrer Zuschauer an der Tierwelt zu wecken vermögen: „Der Start der Serien fiel mit einer langen Schönwetterphase zusammen, der die Besucherzahlen ohnehin ansteigen ließ.“

Von einem „Run auf den Zoo“ hingegen spricht Ilona Zühlke, Sprecherin des Allwetterzoos Münster, seit „Pinguin, Löwe & Co.“ am 2. Januar 2006 angelaufen sei. 40 Folgen wurden damals in vier Monaten ausgestrahlt. Das Ergebnis habe sich sofort bemerkbar gemacht: Kamen im April 2005 rund 80 000 Besucher, waren es nach der ersten Staffel Zoo-Doku im April 2006 schon 127 000. „Erstmals seit vielen Jahren wurde 2006 die Millionengrenze überschritten“, so Zühlke.

Im Kronberger Opel-Zoo würden Gäste manchmal nach den Pflegern fragen, die sie in „Giraffe, Erdmännchen und Co.“ gesehen haben, erzählt Zoodirektor Thomas Kauffels. Er sieht den Hauptgrund für die zufriedenstellenden Besucherzahlen aber nicht bei der Serie. Zoos hingen in erster Linie vom Wetter ab. „An einem Novembertag mit Nieselregen und Temperaturen unter fünf Grad könnten wir Pamela Anderson mit den Robben schwimmen lassen, und trotzdem würde keine Sau kommen.“