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Drama: Politisches Ränkespiel straff und spannend erzählt

04.06.2020

Berlin Es gibt Orte, bei deren Namen es sofort klingelt. Orte aus dem Geschichtsbuch. Wackersdorf gehört dazu. Hier in der Oberpfalz hat Bayerns Staatsregierung unter Franz Josef Strauß zu Beginn der 80er Jahre eine nukleare Wiederaufarbeitungsanlage errichten wollen. Von dem Streit, der die ganze Bundesrepublik bewegte, erzählt das Drama „Wackersdorf“ am Freitag um 20.15 Uhr auf Arte.

Diese Gegend Bayerns ist um 1980 wirtschaftlich schwer gebeutelt. Landrat Hans Schuierer (Johannes Zeiler) steht gehörig unter Druck. Auf einer Bürgerversammlung in Wackersdorf zu den Themen Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven sagt der SPD-Mann: „Strukturwandel ist unvermeidlich.“ Er verspricht alles zu tun, was „in seiner Macht“ steht. Er bittet die Bürger ums Durchhalten. Wie das gehen soll, wird er von einem aufgebrachten Mann gefragt: „Erst war die Arbeit weg, dann das Haus, jetzt auch noch Frau und Kind.“ Bald darauf scheint eine Wende greifbar. Denn der Landrat bekommt Besuch: Karlheinz Billinger (Fabian Hinrichs), Vertreter einer Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen, will ihm den Standort Wackersdorf für eine WAA schmackhaft machen. Nicht zuletzt verspricht der Lobbyist rund 3000 neue Arbeitsplätze.

Doch Schuierer kommen rasch Bedenken. Er liest sich durch Fachbücher über Atomenergie. Seine Skepsis erfährt wachsenden Zuspruch durch seine ebenfalls zweifelnden Mitarbeiter und seine Familie. Der Landrat schließt sich schließlich der Widerstandsbewegung um Monika Gegenfurtner (Anna Maria Sturm) an. Es beginnt ein politisches Ränkespiel, bei dem die Industrie an ganz dicken Strippen zieht – geht es doch um richtig viel Geld. Da scheint jedes Mittel recht, vom Abriss eines Protest-Turmes ohne rechtliche Grundlage bis hin zur „Lex Schuierer“. Sie besteht bis heute und besagt, dass der Freistaat Bayern kurzerhand die Befugnisse eines Landratsamtes übernehmen kann. Alles dies zeigt der fast zweistündige Spielfilm (Regie: Oliver Haffner, Drehbuch: Gernot Krää) klar und deutlich auf. Die politische Geschichte ist so straff erzählt und überzeugend gespielt, da hätte es ein paar eingeblendete dokumentarische Szenen gar nicht gebraucht. Fein beobachtet ist auch die herablassende Art der Politiker aus München, die sogar ihre eigene Weißwurst mitbringen, die selbstverständlich gezuzelt und nicht aufgeschnitten wird. Das macht der Landrat natürlich schon mal verkehrt, in der falschen Partei ist er ohnehin. Schuierer wird von Johannes Zeiler (50, „Im Schatten der Angst“) in jeder Szene grandios gespielt. Seine Wandlung vom einfachen Provinzpolitiker zum engagierten Landrat mit Mumm wirkt absolut glaubhaft.

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