BERLIN - Lothar Loewe gehört zu den „Pionieren“ unter den deutschen Fernsehjournalisten, manche sehen in ihm sogar das „Schlachtross“ der Branche. Das soll auch heißen, dass ein Loewe auch manchmal Krallen hat und nicht immer einfach „zu handhaben“ ist. An diesem Montag wird Loewe 80 Jahre alt. Der geborene Berliner kann auf ein bewegtes berufliches Leben zurückblicken.
Bekannt wurde Loewe vor allem durch seine direkte und unbekümmerte Art, die Dinge beim Namen zu nennen. „Ihren Mut und Ihre Kraft, als politischer Journalist auch in unbequemen Situationen Stellung zu beziehen, habe ich stets bewundert“, meinte denn auch die Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg, Dagmar Reim, in ihrem Glückwunsch zum 80. Geburtstag Loewes.
Turbulente Zeit
So hat der Journalist mit einem Satz sogar Fernsehgeschichte geschrieben. „Hier in der DDR weiß jedes Kind, dass die Grenztruppen den strikten Befehl haben, auf Menschen wie auf Hasen zu schießen“, sagte der frühere ARD-Korrespondent in Ost-Berlin in seiner direkten Art im Dezember 1976 in der „Tagesschau“, die auch in weiten Teilen der damaligen DDR empfangen werden konnte. Es war die turbulente Zeit nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR.
„Gut gebrüllt, Loewe!“, fanden manche Zuschauer. Das Maß ist voll, meinten dagegen die damaligen SED-Machthaber, die den missliebigen Journalisten schon lange loswerden wollten. Er war schon mehrfach verwarnt worden, beschattet wurde er sowieso. Loewe musste innerhalb von 48 Stunden die DDR als „unerwünschte Person“ verlassen und passierte am Weihnachtsabend 1976 den Grenzübergang nach West-Berlin.
Sein Nachfolger wurde der spätere WDR-Intendant Fritz Pleitgen. Nach der Ausbürgerung Biermanns und den folgenden Massenprotesten von Künstlern lagen die Nerven im SED-Politbüro blank. Aber Loewe war damals schon mit allen journalistischen Wassern gewaschen nach seiner Tätigkeit in Washington und Moskau. Loewe war also, als er im Dezember 1974 als Leiter des neu errichteten ARD- Studios nach Ost-Berlin kam, keineswegs unerfahren. Aber er galt auch als Heißsporn. Diese Eigenschaft wurde ihm auf der späteren Stufe der Karriereleiter wieder zum Verhängnis, als er überraschend im März 1983 zum Intendanten des damaligen Senders Freies Berlin (SFB) gewählt wurde.
Unruhiger Charakter
Sein Führungsstil wurde zunehmend als „ungewöhnlich autoritär“ empfunden, so dass es schließlich zum „Aufstand“ kam und Loewe im Mai 1986 den Rückzug antrat.
Nach dem Fall der Mauer 1989 wurde Loewe Hörfunkbeauftragter für den „Deutschlandsender Kultur“ der DDR, der mit dem Kölner Deutschlandfunk und dem Berliner Rias in ein nationales Hörfunksystem mit DeutschlandRadio und Deutschlandfunk überführt wurde. Aber Loewe legte danach die Hände nicht in den Schoß – eine Eigenschaft, die einem unruhigen und umtriebigen Loewe ein Leben lang ziemlich fremd geblieben ist.
