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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Komödie: Alter Mann als scharfer „Pierrot98“

29.07.2019

Berlin Die Agentenklamotte „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ machte Pierre Richard in den 1970er Jahren international bekannt. Solche Blödeleien hat der Franzose lange hinter sich. Als 82-jähriger Mann ist er heute auf Charakterrollen abonniert, so wie in der romantischen Komödie „Monsieur Pierre geht online“, die das Erste an diesem Dienstag um 22.45 Uhr zeigt.

Pierre ist ein einfühlsamer Mann. Doch weil der Franzose schüchtern ist und kaum das Haus verlässt, sucht er im Internet nach einer neuen Bekanntschaft. Beim Onlinedating lernt er die hübsche und junge Flora kennen, die auf Anhieb von seinen gefühlvollen Texten begeistert ist. Was nach einem typischen Beziehungsanfang im Internet-Zeitalter klingt, hält allerdings Tücken bereit. Denn was Flora nicht weiß: Pierre ist ein 79 Jahre alter Mann – und nicht der 30-jährige, brünette Schönling auf seinem Profilbild. Damit nimmt das Chaos seinen Lauf. 2017 sahen in Deutschland fast 300 000 Zuschauer den Film von Stéphane Robelin im Kino.

Es ist vor allem Pierre Richards Darstellung zu verdanken, dass diese Komödie zu einem charmanten Verwechslungsspiel wird. Pierre ist ein kauziger Witwer, der seine verstaubte Pariser Wohnung nicht mehr verlässt. Strähnige Haare, weißer Vollbart, Wollpulli. Tagsüber schaut er sich Dia-Aufnahmen seiner verstorbenen Frau an, isst Dosenravioli und nippt an einem Whiskyglas. Seine Tochter Sylvie (Stéphane Bissot) kann das nicht mit ansehen und verordnet ihm einen PC-Crashkurs. Alex (Yaniss Lespert), der neue Freund ihrer Tochter, soll Pierre mit Nachhilfe in Sachen Computer ein bisschen Ablenkung in den Alltag bringen.

Doch bei einer Einführung in Maus und Word bleibt es nicht. Denn Pierre meldet sich heimlich bei einem Datingportal an. Auch ältere Menschen haben schließlich ein Bedürfnis nach Liebe und Leidenschaft.

Liebe und Sex im Alter – bei Robelin hat das oft ulkige Züge. Etwa, wenn Pierre versucht, ein analoges Foto in seinen Laptop zu schieben, um sein Dating-Profil zu befüllen. Eine Szene, in der der Film ins Klischeehafte abdriftet. Es ist besonders den herausragenden Schauspielern zu verdanken, dass das nicht allzu sehr stört.

Nachdem Pierre realisiert hat, dass er Flora (Fanny Valette) online etwas zu viel vorgelogen hat, überredet er den mittellosen Alex mit Geld, für ihn einzuspringen. Er soll beim ersten Date „Pierrot98“, das Online-Alias des Rentners, spielen.

Regisseur Robelin spannt in „Monsieur Pierre geht online“ ein Netz aus Verwicklungen und Geheimnissen. Dass das nicht gut ausgehen kann, ist von Anfang an klar. Wie die Figuren allerdings versuchen, aus diesem Chaos halbwegs glimpflich herauszukommen, hat einiges an Unterhaltungswert.

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