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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Mehr als schrille Paradiesvögel

14.11.2019

Berlin Sie heißen Katy Bähm oder Samantha Gold. Tragen Pumps, Kleider und Lippenstift. Und sind Männer. In der etwas anderen Castingshow „Queen of Drags“ sucht Heidi Klum ab diesem Donnerstag (20.15 Uhr) auf ProSieben die beste Dragqueen des Landes.

Männer in Frauenkleidern traten früher meist eher in Hinterhofkneipen auf, um die Gäste zu belustigen. Mittlerweile gibt es fast in jeder Großstadt Dragshows, die Hamburger Entertainerin Olivia Jones darf auf keiner Promiparty fehlen. Doch in der deutschen Öffentlichkeit gelten Drags noch immer als schrille Paradiesvögel. Kann die neue Pro-Sieben-Show diese Wahrnehmung ändern?

Die zehn Kandidaten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beziehen zu Beginn eine Luxusvilla in Los Angeles und sollen in den sechs Folgen ihre Kunst bei Motto-Varieté-Shows präsentieren. Dabei zählen Outfits, Gesang und Persönlichkeit. „Wir lernen unfassbar tolle Menschen kennen – in all ihren Facetten“, sagte Mitjurorin Conchita Wurst der Deutschen Presseagentur. Neben Gastgeberin Heidi Klum und Wurst beurteilt Tokio-Hotel-Sänger und Klum-Schwager Bill Kaulitz, sowie ein Gastjuror die Auftritte – darunter Olivia Jones, La Toya Jackson und Sängerin Leona Lewis.

Vorbild der Dragshow ist die Sendung „RuPaul’s Drag Race“, die seit zehn Jahren im US-Fernsehen und mittlerweile auch bei Netflix läuft. Der 58-Jährige RuPaul Andre Charles, der in den 90er Jahren zur Institution der New Yorker Szene wurde, hat es damit vom Nischenprogramm zum Massengeschmack geschafft. Die Reality-Show gewann mehrere Emmys, Topstars wie Lady Gaga und Ariana Grande saßen schon in der Jury.

„Queen of Drags“ will den Fokus aber nicht nur auf die extrovertierten Glamour-Ladys richten, der Zuschauer soll auch die Männer unter den Perücken kennenlernen. „Dragqueens sind wie du und ich – nur mit ein bisschen mehr Make-up“, sagt Bambi Mercury, der in seiner Rolle dem Modeschöpfer Harald Glööckler ähnelt.

Kritik aus der schwulen Community gab es im Vorfeld daran, dass ausgerechnet „Germany’s Next Topmodel“-Moderatorin Klum als Gastgeberin der Show auftritt. In einer Petition äußerten Dragqueens die Sorge, dass Drag nicht als selbstverständliche Kunstform präsentiert werde, sondern vor allem klischeebehaftet – und auch noch von einer weißen Heterofrau. Die Macher greifen die negativen Kommentare gleich in der ersten Folge auf.

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