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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Interview mit vertauschten Rollen

04.08.2017

Berlin Michael Kessler ist ziemlich oft in der Maske. Das ist für einen Schauspieler nicht ungewöhnlich. Aber der 50-Jährige geht dabei regelmäßig einen Schritt weiter als die meisten Kollegen. Kessler trifft Prominente zum Gespräch – schlüpft in ihre Rolle und sieht ihnen dabei idealerweise täuschend ähnlich. Das ist das Konzept von „Kessler ist...“. Das ZDF startet die neue Staffel an diesem Freitag (23.15 Uhr). Und Kessler hat sich wieder viel vorgenommen. Diesmal ist er nacheinander Wolfgang Bosbach, Conchita, Uwe Ochsenknecht und Dieter Hallervorden. Das ZDF nennt das Format Personality-Doku. Es ist besser, als es klingt.

Kesslers Ansatz ist eine ungewöhnliche Form des Interviews mit vertauschten Rollen. Der Gesprächspartner stellt dabei Fragen gewissermaßen an sich selbst, beziehungsweise an Kessler, der so aussieht wie der jeweilige Gesprächspartner. Und schon die Vorbereitungen darauf, die der Zuschauer verfolgen kann, sind oft ganz spannend.

CDU-Politiker Wolfgang Bosbach ist für so manchen in seiner Heimatstadt Bergisch Gladbach nur der WoBo. Viele, die ihn so nennen, fühlen sich ihm nah. Bundesweit bekannt ist er als Klartexter, das ist gewissermaßen sein Markenzeichen. Nun verabschiedet sich der 65-Jährige aus der Bundespolitik – und hat sich vorher mit Kessler getroffen.

Man sieht die beiden, wie sie sich zusammen Fotos aus Bosbachs Leben angucken und wie Kessler ihn befragt über seine Karriere auf Kosten des Privatlebens, über seine Medienpräsenz, über seine Krebserkrankung. „Politik war sein Leben“, sagt Kessler über ihn. „Was wird er ohne sie jetzt tun?“

Kessler bereitet sich auf seine Interviews mit vertauschten Rollen ausgiebig vor. Diesmal fährt er nach Bergisch Gladbach. „Es nagt an ihm, dass er nicht Minister wurde“, erzählt sein alter Freund Wolfgang Unrau über den CDU-Politiker. Und dass er viel ernster geworden sei, seit er von seiner Krebserkrankung erfahren hat. „Wie er damit umgeht, ich könnte das nicht.“

Kessler trifft auch Bosbachs Mutter Else. Sie zeigt ihm die Ordner mit Zeitungsartikeln – alle über ihren Sohn, 30 sind es insgesamt. Jeden Sonntag schneidet sie die aktuellen Berichte aus und klebt sie ein. Und sie erinnert sich an ihn als Kind: „Sehr unruhig“, sei er gewesen. „Er brauchte Action.“

Als die beiden sich dann gegenübersitzen, Kessler als Wolfgang Bosbach, haben die Zuschauer schon viel über den Politiker erfahren. „Warum willst du nicht noch einmal kandidieren?“, fragt Bosbach nun sein Gegenüber, das einigermaßen aussieht, wie er selbst. „Ich fahre seit 30 Jahren auf der Überholspur, ich hätte längst loslassen müssen“, sagt Kessler in der Bosbach-Rolle. Und was wird er nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag vermissen? „Nicht vermissen werde ich die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Partei“, sagt Kessler. Da muss der echte Bosbach lachen – das hätte er sicher selbst genauso gesagt.

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