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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Porträt einer zutiefst verzweifelten Frau

17.09.2019

Berlin Die Diagnose ist niederschmetternd. Wie eine alleinstehende Frau damit umgeht, noch dazu an ihrem letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand, das erzählt der Film „Hanne“. Das Erste zeigt ihn am Mittwoch (18. September) um 20.15 Uhr.

Hanne Dührsen (Iris Berben) heißt die Hauptfigur. Es ist Freitag, sie hat ihren letzten Arbeitstag, den sie als Privatsekretärin der Firmenleitung routiniert wie immer abspult. Daran ändert auch die überraschende Nachricht nichts, dass ihr Chef auf dem Weg ins Büro einen tödlichen Autounfall hat.

Sie verliert kein Wort darüber zur Belegschaft, sondern hält die Rede für ihren Abschied einfach selbst – sie hatte sie ohnehin geschrieben. Später am Tag geht sie zu einer Routineuntersuchung in die Klinik, nach der sie der Arzt mit dem Verdacht auf eine schwere Krankheit ins Wochenende schickt – erst am Montag soll sie die genaue Diagnose bekommen.

Hanne ist zutiefst verunsichert, aber sie will sich nichts anmerken lassen. Sie hat niemanden, der sie jetzt auffangen, niemanden, dem sie sich anvertrauen, mit dem sie über ihre Ängste und Gedanken reden könnte. Ihr Sohn Tim (Trystan Pütter) macht sie zwar zur Oma, hat aber keine Zeit für sie.

Sie lässt sich in einer fremden Stadt ziellos treiben, wohnt in einem Hotel und lernt die Dessousverkäuferin Uli (Petra Kleinert) kennen, die einen viel älteren Mann geheiratet hat. Und sie trifft Heiner wieder, ihre Liebe aus Studienzeiten (Herbert Knaup).

Für Iris Berben (69) erzählt der Film ein schweres Thema mit einer besonderen Leichtigkeit, ohne ihm die Würde und die Seriosität zu nehmen. Damit werde das Thema keineswegs kleiner gemacht, vielmehr dem Leben näher gebracht, das ja keine Rücksicht nehme auf irgendwelche persönlichen Befindlichkeiten, sagte die Schauspielerin.

Autorin Beate Langmaack und Regisseur Dominik Graf ist ein packendes Drama in zwölf Kapiteln gelungen, das in die Tiefen der menschlichen Seele führt. Graf und Berben haben zum ersten Mal zusammengearbeitet. Ihr Porträt einer zutiefst verzweifelten Frau ist beängstigend und berührend zugleich – es kann schließlich jeden von uns in ähnlicher Weise treffen.

Dass Hanne nach der Nachricht vom Tode ihres Chefs kühl und beherrscht weitermacht, sagt viel über diese Figur aus – genau wie der Umstand, dass sie ihren Arzt privat in dessen Haus aufsucht. Der Montag kommt, sie geht in die Klinik – ihr Gesicht in Großaufnahme lässt alle möglichen Interpretationen zu. Wie auch immer die Diagnose ausfällt – für den Zuschauer bleibt das offen.

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