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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Witze über Gleichberechtigung

23.09.2019

Berlin Von den Serienstarts des Jahres dürfte „Frau Jordan stellt gleich“ sicher zu den unterhaltsamsten gehören. Katrin Bauerfeind spielt darin Eva Jordan, eine Gleichstellungsbeauftragte, umgeben von Menschen, die dafür wenig übrig haben. Und das macht sie – nicht dass man es ihr nicht zugetraut hätte – einfach großartig.

Bauerfeind (37), Schauspielerin, Autorin, Podcasterin, Multitalent, ist wie gemacht für die Rolle in der Comedyserie des Streamingdienstes Joyn, die eigentlich zum Scheitern verurteilt sein müsste. Schon weil man übers Thema Gleichberechtigung idealerweise keine Witze macht, weil die von allen Seiten nur falsch verstanden werden können.

Da muss fürs Drehbuch schon jemand ran, der sich das traut und Fingerspitzengefühl hat. In Deutschland gibt es nicht viele solcher Autoren. Ralf Husmann („Stromberg“) ist so einer. Und den hat Joyn für „Frau Jordan stellt gleich“ als „Head-Autor und Show-Runner“ gewinnen können. Das klingt nicht nur gut, das ist es auch. Husmann und Bauerfeind – das passt. Bei Joyn startet die Serie an diesem Montag, bei ProSieben sollen die zehn Folgen 2020 zu sehen sein.

Husmann ist ein Pointen-Könner. Da will die Jordan beruhigend auf verbitterte, erregte Demonstranten einwirken, wirft mit dem Rest eines Apfels auf einen von ihnen – und dann eskaliert der Tumult erst richtig. Typisch. Die in die Jahre gekommene Demo-Wortführerin sitzt regelmäßig im Büro der Gleichstellungsbeauftragten, wettert gegen Nazis, trinkt Schnaps und futtert Kuchen.

Und Frau Jordan bringt sie dann sogar nach Hause, wenn die alte Frau nach etwas zu viel Alkohol nicht mehr geradeaus laufen kann, nimmt ihr die Mütze ab, passt auf, dass sie ruhig einschläft. Das sind die gefühligeren Seiten der Serie, die gibt es auch.

Aber ansonsten geht es oft böse zu. Als Frau Jordan die Feuerwehr zwingt, eine Frau in ihren Reihen zuzulassen, trinken die Männer sie beim Einstand gnadenlos unter den Tisch. Immer für eine Pointe gut ist Bürgermeister Brinkmann (Ulrich Gebauer), der aus seiner Verachtung für Gleichstellungspolitik keinen Hehl macht, ein alter weißer Mann wie aus dem Bilderbuch. Ein Politiker brauche vier Dinge, sagt er: „Ohren und Eier.“ Brinkmann macht den Macho, mit dem die Jordan aber doch ganz gut klarkommt.

Eine Idee Husmanns macht sich schnell bezahlt: Er macht nicht Brinkmann zum Gegenspieler der Gleichstellungsbeauftragten, sondern ausgerechnet eine Frau, die ständig am Stuhl des Bürgermeisters sägt und alles dafür geben würde, selbst Verwaltungschefin zu werden: Adina Vetter („Vorstadtweiber“) spielt sie so skrupel- und gewissenlos, dass Angelina Jolie als dunkle Fee in „Maleficent“ daneben geradezu harmlos erscheint. „Es ist wunderbar, so eine Arschlochrolle zu haben“, sagte Vetter bei der Präsentation der Serie in Berlin. Man merkt, dass ihr die Serienfigur Spaß macht.

Bauerfeind, Gebauer und Vetter sind ideale Besetzungen. Aber auch Natalia Belitski („Bella Germania“) glänzt als Frau Jordans lesbische Kollegin im Gleichstellungsbüro, die gern mal im Aufzug so laut über ihre sexuellen Vorabendabenteuer plaudert, dass sich daraufhin eine etwas prüdere Verwaltungsangestellte wegen Belästigung beschwert – auch keine schlechte Pointe.

Und Alexander Khuon spielt den Mann, der nicht immer kann, aber zumindest manchmal das Herz von Frau Jordan zu erweichen weiß. Angesichts lauter starker Frauen, keine leichte Rolle – er macht auf jeden Fall das Beste draus.

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