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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Nach dem Theaterstück kommt der Film

08.11.2017

Berlin Männer im weißen Kaftan, den Kopf bedeckt, stehen neben Herren im Zweireiher und unterhalten sich bei Häppchen und Champagner. Wären da nicht die Scheinwerfer und die Kamera – die Szene könnte als internationale Konferenz durchgehen.

Die Herrschaften im Innenhof der Technischen Universität in Berlin sind aber Statisten. An einem Herbstnachmittag stehen sie hier für einen Fernsehfilm, die Vorlage liefert ihnen der Bestseller „Unterwerfung“.

In seinem Roman, der in Frankreich für Furore und manch böse Schlagzeile sorgte, zeichnet Michel Houellebecq das Bild eines vom Islam beherrschten Staates. Die Männer in Weiß im Universitätshof, so sieht er sie, sind Vorboten der Islamisierung.

Schonungslos hat Houellebecq in seiner ironischen Parabel ethische und moralische Maßstäbe beiseite geschoben und das Bild eines politischen und gesellschaftlichen Zerfalls gezeichnet. „Das macht frei“, sagt der Schauspieler Edgar Selge, der die Hauptrolle spielt, während der Dreharbeiten. „Diese Fiktion einer muslimischen Partei nimmt unsere Phobien und Ängste auf und baut daraus einen Science-Fiction-Roman, der 2022 spielt“ – also in absehbarer Zeit.

Für Selge (69) ist der Stoff nicht neu. In der Rolle des Literaturwissenschaftlers François, der sich von der Islambrüderschaft an der Pariser Sorbonne-Universität umwerben lässt, feierte er mit „Unterwerfung“ am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg einen rauschenden Erfolg. Für seinen fast dreistündigen Monolog unter der Regie von Karin Beier bekam Selge den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hat nun dazu einen Fernsehfilm in Auftrag gegeben, die Regie hat Titus Selge, ein Neffe von Edgar. 2018 läuft die Produktion im Ersten. Fragmente der Theateraufführung werden für die Neuproduktion mit Filmszenen verknüpft. Die Außenaufnahmen wurden in Paris gedreht, die Innenszenen kommen aus Berlin.

Selge ist ein Houellebecq-Fan. „Von ,Ausweitung der Kampfzone‘ bis ,Karte und Gebiet‘ – ich habe alles von ihm gelesen“, sagt er. „Er ist ein großer Spieler, ein Komödiant. Durch das Lachen und die Situationskomik, mit der er sich selber preisgibt, verführt er die Menschen, ihm zu folgen.“

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