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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Tonio und Julia - Zumindest beruflich ein schönes Paar

06.03.2019

Berlin Eine katholische Ehe- und Familienberatungsstelle im bayerischen Bad Tölz, Pfarrer Tonio und Therapeutin Julia sind zumindest beruflich ein Team. Die ersten beiden Filme der ZDF-Reihe „Tonio und Julia“ erreichten im vergangenen Jahr jeweils um die vier Millionen Zuschauer – deshalb kommen jetzt gleich vier neue Folgen. Wieder auf dem Sendeplatz, auf dem „Der Bergdoktor“ bis vor Kurzem Top-Einschaltquoten lieferte. Los geht es an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) mit der Folge „Schuldgefühle“.

An der Isar hat sich eine junge Clique versammelt – es wird gefeiert, geflirtet und getrunken. Ben Massinger (Niklas Nißl) steigt nach einem Streit mit seiner Ex-Freundin Nele (Pia Soppa) aufgewühlt und angetrunken ins Auto und fährt gegen einen Baum; er verliert dabei ein Bein. Julia (Oona Devi Liebich) und Tonio (Maximilian Grill) sind zufällig zuerst am Unfallort und kümmern sich später vor allem um Bens Eltern (Catherine Flemming, Heikko Deutschmann), die sich schwere Vorwürfe machen. Sie sorgen sich darum, was aus ihrem Sohn und seinem Sportstudium werden soll.

Und was soll aus Tonio und Julia werden? Der Herr Pfarrer hatte in einem früheren Leben ganz schön mit seiner damaligen Mitschülerin Julia Schindel geflirtet. Allein, eine Heirat ist und bleibt ihm als katholischem Pfarrer verwehrt. Allerdings gab es im vorherigen Film einen Kuss zwischen beiden, was natürlich nie hätte geschehen dürfen. So darf der Zuschauer gleich diverse Botschaften mitnehmen, nämlich dass ein Kuss nicht gleich den Beginn einer Beziehung bedeutet, und dass das Handy in der Kirche natürlich nicht klingeln sollte. Ansonsten ertönt hier höchstens mal eine Fahrradklingel, und von Bad Tölz ist so gut wie fast nichts zu sehen.

Die sympathischen Schauspieler – unter der Regie von Stefan Bühling (46, „Heldt“, „SOKO Potsdam“) – versuchen ihr Bestes, doch können sie angesichts der reißbrettartigen und hölzernen Dialoge (Buch: Gabriele Kreis) nicht viel anrichten. „Die Konflikte entstehen bei uns ja durch den Gegensatz zwischen den konservativen Dogmen der Institution Kirche und dem Anspruch, hilfsbedürftigen Menschen schnell und zugewandt helfen zu können“, sagte Tonio-Darsteller Grill (42, „Der letzte Bulle“). „In der Verbindung von althergebrachter Seelsorge und moderner Therapie sehe ich keinen Konflikt, eher einen Vorteil. Hier erwachsen die Konflikte mehr aus der Reglementierung durch die Institution und dem Gewissenskonflikt, der daraus entsteht.“

Für Grill spielt der Glaube eine große Rolle, allerdings nicht im institutionellen Rahmen, „sondern tatsächlich im ursprünglichen Sinne des Wortes Religion, mit Rückverbindung und Achtsamkeit“. Für ihn sei Meditation das Werkzeug, um diese Rückverbindung in sich herzustellen.

Die Ratschläge seines Film-Pfarrers beschränken sich im Wesentlichen auf das Vertrauen in die eigene menschliche Stärke und selbstredend auf göttlichen Beistand, während die Therapeutin mit ihrer angestrebten Selbstständigkeit hadert. Und wie sagt der Generalvikar so treffend: „Die Kirche sollte nicht mit zwei Zungen reden“.

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