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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Biohackers Auf Netflix: Wissenschaft zwischen Kapital und Moral

19.08.2020

Berlin Ein Zug von Freiburg nach Berlin, eine idyllische Berglandschaft. Doch plötzlich kippen im Abteil immer mehr Fahrgäste um, liegen bewusstlos auf dem Boden. Mit diesem Schreckensszenario startet die sechsteilige Netflix-Serie „Biohackers“, die von Donnerstag an beim Streamingdienst abrufbar ist.

Diese Bilder sind es auch, die dafür sorgten, dass der Starttermin um mehrere Monate verschoben worden war. Im Frühling, zu Beginn der Corona-Pandemie, hätte diese Sequenz auf manche Zuschauer verstörend wirken können, sagen die Macher. Doch noch heute ist die Serie hochaktuell, denn es geht um Ethik in der Wissenschaft. Und die erfährt in diesen Monaten eine gesellschaftliche Relevanz, wie sie sie – zumindest in der breiten Öffentlichkeit – selten erlebt.

In „Biohackers“ geht es aber nicht um Viren oder den Wettlauf um einen Impfstoff (der in der aktuellen Debatte ebenfalls moralische Fragen aufwirft), sondern um genetische Erkrankungen. Und ob diese schon vor der Geburt erkannt und so verhindert werden können.

Zeitgemäßes Thema

„Es ist ein guter Zeitpunkt für diese Serie, weil sie zeigt, was schon alles möglich ist“, sagte Hauptdarstellerin Jessica Schwarz. „Das sind Dinge, die nicht erst morgen oder übermorgen erfunden werden, sondern die bereits heute möglich sind. Das ist sehr interessant.“

Die 43-Jährige („Buddenbrooks“, „Das Parfum“) spielt die gewissenlose Top-Wissenschaftlerin Tanja Lorenz, die an der Uni Freiburg lehrt und ein eigenes Labor führt. „Wir machen Gott obsolet“, ruft sie den Erstsemestern entgegen. Denn sie will mithilfe der synthetischen Biologie genetische Optimierungen vornehmen. Der Mensch als Schöpfer.

„Das ist natürlich beängstigend. Die DNA ist so gut entschlüsselt, dass für experimentierfreudige Menschen, die es nicht so gut meinen, Tür und Tor geöffnet sind“, erklärt Schwarz. Ihre Tanja Lorenz umgeht im privaten Keller-Labor die moralisch-ethischen Vorgaben ihrer Zunft.

Gegenspielerin ist dabei die junge Studentin Mia, gespielt von Luna Wedler. Mit Lorenz verbindet sie eine dunkle Vergangenheit, die nach und nach aufgedeckt wird und die Serie um eine Art Rache-Thriller erweitert. Gedreht wurde im Sommer 2019 in Freiburg und München.

Im Zwiespalt

Die 21-jährige Wedler, die bereits in Kinofilmen wie „Dem Horizont so nah“ oder „Das schönste Mädchen der Welt“ die Hauptrolle spielte, ist vom moralischen Zwiespalt der Figuren fasziniert. „Man könnte viel Leid beseitigen, aber zu welchem Preis? Wie weit darf man in die Natur eingreifen?“

Nach Exportschlagern wie „Dark“ oder „How to Sell Drugs Online (Fast)“ ist „Biohackers“ die nächste deutsche Netflix-Serie, die bei guten Abrufzahlen in eine zweite Staffel gehen dürfte – zumindest legt das der Cliffhanger am Ende nahe. Der wissenschaftliche Ansatz ist spannend, einige der Charaktere wirken aber überzeichnet.

Mias Studenten-WG ist derart unrealistisch dargestellt, dass sie vor allem als „Comic Relief“ dient – also als humorvolles Element der Drama-Serie. Die von Schwarz schauderhaft kühl dargestellte Antagonistin hätte dagegen mehr Tiefe verdient. So erfährt der Zuschauer nicht, warum Lorenz zu einer solch gewissenlosen Forscherin geworden ist. Aber vielleicht holen die Macher das ja in einer möglichen Fortsetzung nach.

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