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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Vorschau: Bittere Abrechnung mit dem Übervater

25.11.2016

Berlin So mancher Konflikt kommt bei einem „Familienfest“ zutage – was nun sehr schön zu beobachten ist in der gleichnamigen Tragikomödie, die bereits 2015 als Kinofilm herausgebracht wurde, an diesem Montag um 20.15 Uhr im ZDF.

Vater Hannes Westhoff (Günther Maria Halmer) wird 70 – und der gefeierte, aber grantige Pianist darf sich in seiner großzügigen Berliner Villa mit einer anreisenden Familie herumplagen. Und das auch nur, weil seine grundgütige Gattin Anne (Michaela May) zu einer Art „Versöhnungsfest“ eingeladen hat.

Es erscheinen nacheinander: der älteste Sohn Max (Lars Eidinger), der auf der Hinfahrt fast einen Unfall gebaut hätte. Im Krankenhaus flirtet der Journalist mit Schwester Jenny (Jördis Triebel) und überredet sie, ihn zu begleiten. Dann kommt der hoffnungslos verschuldete Geschäftsmann Gregor (Marc Hosemann) mit seiner Freundin Charly (Nele Mueller-Stöfen), und der Jüngste, Frederik (Barnaby Metschurat), bringt seinen Lebensgefährten Vincent (Daniel Krauss) mit.

Bittere Abrechnung

Die beiden wollen ein Kind adoptieren – was der Papa missbilligend zur Kenntnis nimmt („Darf man sich da überhaupt Großvater nennen?“). Und dann ist da noch Hannes’ erste Frau und Mutter seiner drei Söhne, Renate (Hannelore Elsner), die eigens aus Paris einfliegt und sich alsbald gepflegt betrinkt...

Autor Martin Rauhaus (58, „Der Bankraub“, „Die Eisläuferin“) und Regisseur Lars Kraume (43, „Terror – Ihr Urteil“) haben eine bittere Abrechnung gedreht über Menschen, die sich eigentlich lieb haben sollten und sich das Leben unfassbar schwer machen. Und erst die tödliche Krankheit seines Ältesten lässt den Panzer des zynischen Egozentrikers langsam etwas zerbröseln.

Der Part von Hannelore Elsner (74) als gescheiterte Gattin und überforderte Mutter ist eher klein und undankbar – vielleicht auch, weil man sie jüngst in einer ähnlichen Rolle gesehen hat („Ein großer Aufbruch“).

Die eigentliche Hauptrolle aber spielt grandios und berührend Lars Eidinger (40, „Terror“): Er ist am Übervater förmlich zerbrochen, der seinen drei Jungs früher auf die Finger schlug, wenn sie falsch gespielt haben.

Klare Botschaft

„Wie alle anderen Filme zuvor habe ich auch ,Familienfest’ mit meiner Familie geguckt“, sagt Kraume. und fügt hinzu: „Auch bei uns gibt es Tabus, Spannung und Streit. Deshalb glaube ich, dass dieser Film heilsam für alle ist, die kein perfektes Familienleben haben, was vermutlich sehr viele sind. Denn im Kern hat er eine einfache und klare Botschaft: Familie bedeutet Arbeit und für alle Beteiligten jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung, die es zu meistern gilt.“

Sein Ensemble aus acht ziemlich guten Schauspielern macht diesen Film auch zu einem Fest für den Zuschauer. „Happy Birthday, Arschloch“, sagt der Alte irgendwann zu sich selbst. Doch da ist bereits alles vorbei, die späte Versöhnung nur ein Hauch voller Tränen. Zwei Söhne bleiben ihm noch, die bislang überlebt haben – und die beschworene Aussicht auf ein gemeinsames Weihnachtsfest.

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