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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Die Kehrseite der Leistungsgesellschaft

19.10.2017

Bremen Ein abgesäbelter Finger, ein verschwundener Pleitier und eine erfolgshungrige Pharmareferentin – das sind die Zutaten des Bremer „Tatort“-Krimis „Zurück ins Licht“. Die Produktion ist an diesem Sonntag (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen. Und ist weit mehr als eine klassische Kriminalgeschichte. Die Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) bekommen es bei ihren Ermittlungen mit handfesten Liebesdramen zu tun. Außerdem blicken sie in die Abgründe der Leistungsgesellschaft.

Lürsen und Stedefreund ermitteln eingangs ohne Leiche, sie haben nur den Finger eines insolventen Pharmahändlers. Dessen Frau Judith Bergener (Victoria Fleer) behauptet, ihr Mann habe sich vor Monaten abgesetzt. Die Pharmareferentin Maria Voss (Nadeshda Brennicke) hatte als Letzte mit dem Opfer Kontakt. Stedefreund gerät in ihren Bann, trotz Beziehung zur BKA-Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram). Doch Voss ist nicht die, die sie auf den ersten Blick zu sein scheint.

In Szene gesetzt wurde der im Herbst 2016 in Bremen und Umgebung gedrehte „Tatort“ vom Regisseur Florian Baxmeyer. „Er ist sehr konkret. Er nimmt auch immer gern Vorschläge von den Schauspielern an“, sagt Schauspielerin Wolfram. Das Buch stammt von Christian Jeltsch und Olaf Kraemer.

„Ich fand das Drehbuch schon sehr toll“, sagt Sabine Postel. Erzählt werde nicht nur eine Privatgeschichte. Sondern auch vom „Absturz in unserer Gesellschaft“. Damit könnten die wenigsten umgehen. Wenn die Äußerlichkeiten stimmten, ließen sich die Leute leicht blenden. „Es geht gar nicht um den Menschen“, sagt Jeltsch. „Es geht um die Fassade.“

Die Gefahr abzuheben hat Sabine Postel nie gehabt. „Ich war immer ein sehr geerdeter Mensch. Ich glaube, das habe ich von meinen Eltern mit in die Wiege gelegt bekommen. Ich habe mir meine Kraft immer aus der Familie geholt.“ Auch Kollege Mommsen ist die Popularität als „Tatort“-Kommissar nicht zu Kopf gestiegen. „Du bist ein Mosaiksteinchen in dem Film. Du musst dem Regisseur, der Situation vertrauen. Du musst dich verschenken und abgeben.“ Der 2001 in den Bremer „Tatort“ eingestiegene Schauspieler geht selbstkritisch mit seiner Leistung ins Gericht. Den fertigen Film schaue er sich erst mal allein und im abgedunkelten Raum an.

Für Victoria Fleer war es der erste „Tatort“-Dreh. „Der ,Tatort’ ist eine ganz feste Institution. Man hat einfach einen Heidenrespekt davor“, gesteht die sonst in der Comedy verankerte Schauspielerin. „Das war eine Ehre. Die Arbeitsatmosphäre war wahnsinnig gut, man hat sich gut aufgehoben gefühlt.“

Sabine Postel ist seit 1997 Teil des Bremer „Tatort“-Teams. „Eigentlich war das nie eine Sache, die zur Routine erstarrt ist.“ Bei zwei „Tatort“-Filmen im Jahr sei das dank anderer Autoren und anderer Erzählstile immer eine Art Neuanfang. „Wir haben eigentlich immer den Fall im Mittelpunkt gehabt, so sind wir über die Jahre spannend geblieben.“ Das bekräftigt auch Luise Wolfram. „Sabine und Olli sind bemüht, immer neu und frisch zu denken.“ So sei die Routinefalle schnell umgangen worden.

2019 fällt die letzte Klappe für Postel und Mommsen, nach „Zurück ins Licht“ folgen noch drei „Tatort“-Drehs. „Wir drehen gerade zwei“, verrät Postel. Eine Folge thematisiert den Pflegenotstand in Deutschland. „Ein ans Herz gehender Film. Sehr sehr authentisch und sehr, sehr ehrlich. Der andere ist sehr bissig und blutig.“

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