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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Charles Brauer: Deutscher TV-Star der ersten Stunde wird 85 Jahre alt

03.07.2020

Hamburg /Basel Seit mehr als 70 Jahren ist er im Geschäft und seit gut 60 Jahren ein Fernsehstar. Mindestens zwei Mal hat Charles Brauer dabei TV-Geschichte geschrieben. Das soll dem in Berlin geborenen, unprätentiös wirkenden Schauspieler erst einmal einer nachmachen. Besonders an seine Paraderolle als singender Hamburger „Tatort“-Kommissar Peter Brockmüller zwischen 1986 und 2001 erinnern sich viele Zuschauer mit Begeisterung. Da ermittelte der TV-Kommissar an der Seite von Manfred Krug (1937-2016) alias Paul Stoever.

An diesem Freitag feiert er in seiner Wahlheimat Schweiz bei einer Bergtour mit der Familie seinen 85. Geburtstag. „Mit Dankbarkeit und all den Gefühlen, die man empfindet, einen Freund gefunden zu haben, der nun leider nicht mehr da ist“, blicke er auf seine „Tatort“-Zeit zurück, sagt Brauer.

Zum Publikumsliebling wurde der Schauspieler nach seiner Ausbildung auf der Berliner Max-Reinhardt-Schule deutlich früher: zwischen 1954 und 1960 in der ersten deutschen Familienserie „Familie Schölermann“. Unter der Regie von Ruprecht Essberger gab er den älteren Sohn Heinz.

Längst gelangen Brauer bedeutende Erfolge mit dem Theater. Als Vorleser sämtlicher deutschen Hörbuch-Vertonungen der Thriller von John Grisham seit dem Jahr 2000 würdigte ihn der amerikanische Bestsellerautor (65) in einem Brief.

All das begann quasi per Zufall 1946 zwischen den Trümmern der zerbombten Hauptstadt. Auf der Straße wurde der Junge, der damals noch Charles Knetschke hieß, für eine Rolle in der DEFA-Produktion „Irgendwo in Berlin“ angesprochen – es wurde der zweite deutsche Film nach dem Krieg. Weitere Leinwandauftritte sowie Engagements auf Privatbühnen folgten. Im Jahr 1956 wurde Brauer an das Deutsche Schauspielhaus Hamburg verpflichtet, wo er 20 Jahre lang blieb.

Und wie geht es ihm in Corona-Zeiten? „Verglichen mit dem Elend, das dieses Virus für so viele Menschen brachte, geht es mir sehr gut. Ich habe viel Zeit, befriedigende Dinge zu erledigen, die lange aufgeschoben waren“, lautet die Antwort Brauers, der mit seiner dritten Ehefrau, der Bühnenbildnerin Lilot Hegi (73), in einem Dorf bei Basel lebt.

Sorgen macht Brauer sich um die Zukunft der Welt. „Früher war wohl wirklich auch nix besser, aber dass wir alle und die Verantwortlichen überall es nicht schaffen, die Armut und den Hunger zu bekämpfen und zu besiegen, ist deprimierend und schlimm.“

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