Köln - „Bio’s Bahnhof“, „Boulevard Bio“, „Alfredissimo“ – Alfred Biolek, der Mann mit dem markant rollenden „r“ und dem typischen Räuspern, ist ein wichtiger Teil bundesdeutscher Fernsehgeschichte.
Biolek, der seine Fernsehkarriere 1963 beim ZDF im Justiziariat begann, ist zwar nicht mehr mit einer Talk- oder Kochshow im TV präsent, er hat dennoch das Herz und das Hirn einer aktuellen Moderatorin und Filmemacherin bewegt: Sandra Maischberger (und Ko-Autor Hendrik Fritzler) haben einen Film über Biolek gedreht, der sich auch mit Kapiteln aus dem Leben des Fernsehmannes befasst, über die er vor gut 20 Jahren in aller Öffentlichkeit noch keine Silbe verloren hätte.
Zum 80. Geburtstag Bioleks zeigt die ARD an diesem Dienstag (22.45 Uhr) Maischbergers und Fritzlers Porträtfilm über den Talkshow- und Kochshow-Pionier. Die eineinhalbstündige Dokumentation „Mensch, Bio!“ zeichnet alle wichtigen Lebensstationen des Entertainers nach, der 30 Jahre lang auf dem Bildschirm präsent war. Die Kamera ist zum Beispiel dabei, wenn er in New York seinen ersten Lebensgefährten Keith wiedertrifft. „Ich war 19, er war 49 – das war natürlich ein Skandal“, erinnert sich der Amerikaner.
Biolek war 1991 von dem Filmemacher Rosa von Praunheim im Fernsehen geoutet worden. Dies empfand er zunächst als schweren Schlag, im Nachhinein aber war er dankbar dafür, weil sich dadurch eine „Verspannung gelöst“ habe. Biolek fährt in der Sendung nach Amsterdam und macht eine Grachtenrundfahrt mit seinen alten Freunden, dem niederländischen Kulturmanager Pieter Alferink und Thomas Woitkewitsch, dem ehemaligen Redakteur von Rudi Carrells Show „Am laufenden Band“, bei der Biolek Produzent war.
Ein Höhepunkt ist Bioleks Rückkehr in seinen heute tschechischen Geburtsort Karviná, ehemals Freistadt. Dort betritt er erstmals seit 70 Jahren wieder sein Geburtshaus, in dem heute ein Kindergarten und ein Hort für Sehbehinderte untergebracht sind. In seinem einstigen Zimmer liegen Kinder beim Mittagsschlaf auf dem Boden. „Sehr gut“, meint er zufrieden. „Jetzt freue ich mich sogar, dass ich das besucht habe.“
