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Ab Karfreitag Im Tv: „Der Name der Rose“ als Serie zu sehen

08.04.2020

Bonn Norditalien 1327: Der Konflikt zwischen politisch-weltlicher und kirchlich-spiritueller Macht spitzt sich zu. Da der deutsche Kaiser Ludwig IV. die Trennung von Politik und Religion verkündet hat und den luxuriös-korrupten Lebenswandel des Papstes im französischen Avignon öffentlich geißelt, wird er kurzerhand exkommuniziert. Bald wird nicht nur mit Worten, sondern auch mit Schwertern und Armeen gekämpft.

Mittendrin steht der junge Adson von Melk (Damian Hardung) nach einem stundenlangen Gemetzel in einer gigantischen Blutlache. Umringt von hunderten Toten beschließt er, kein Schwert mehr in die Hand zu nehmen und lieber als Novize ins Kloster zu gehen. Als der scheue Jüngling kurz darauf dem weisen Franziskanermönch und Ex-Inquisitor William von Baskerville („Barton Fink“-Star John Turturro) begegnet, der als Unterhändler in politischer Mission unterwegs ist, schließt er sich ihm an.

Bald geraten sie in ein verschneites Benediktinerkloster in Ligurien, wo der Teufel wüten soll – in der Gestalt eines ominösen Killers. Kaum eingetroffen, bittet der Abt William von Baskerville um seine Unterstützung bei der Mördersuche. Denn gerade erst wurde Adelmo, ein begabter Illustrator des Ordens, leblos aufgefunden. Er soll zu Tode gestürzt sein, was Baskervilles Neugier sofort entflammt.

Auf diese Weise wechselt der Ordensmann, der ursprünglich bei einem geheimen Konzil zwischen den beiden Hauptkonfliktparteien vermitteln sollte, zum ersten Mal wie in Umberto Ecos Bestseller-Roman die Rollen: Aus dem papstkritischen Franziskanermönch, den John Turturro durchweg blass und ohne den hinterlistigen Charme eines Sean Connery verkörpert, wird sehr rasch eine raffinierte Detektivgestalt, die sich obendrein für die Geheimnisse der prächtigen Klosterbibliothek interessiert. Schließlich soll dort je nach politischer Lesart oder religiöser Weltanschauung das teuflischste oder genialste aller Bücher versteckt sein: Der zweite Band der Poetik des Aristoteles, die sich der Komödie und dem Lachen widmet.

Beinahe analog zu Jean-Jacques Annauds „Der Name der Rose“-Verfilmung von 1986 folgt auch Giacomo Battiato in seiner spröden Interpretation des weltbekannten Stoffes zunächst dem zentralen „Whodunit“-Handlungsstrangs des Romans. Von dessen mirakulöser Finesse fehlt in dieser 26 Millionen Euro teuren Produktion allerdings jede Spur. Allzu stark reduziert auf den bloßen Kriminalplot der Vorlage und unter Verzicht auf Querverweise und Anspielungen von Sherlock Holmes bis zur Bibel oder Hintergründe zur komplexen Gemengelage zwischen Klerus und Kaiser, fehlt dieser kreuzbrav-geglättet inszenierten Miniserie jeder intellektuelle Esprit.

Selbst der reine Spannungsfaktor dürfte sich für Zuschauer, die weder Ecos Roman noch Annauds Kinoadaption kennen, absolut in Grenzen halten. Auch den Schmutz und Gestank des Mittelalters kann man in an keiner Stelle nachvollziehen. Und so folgt ein Mord auf den nächsten, während angespornt durch Inquisitor Bernardo Gui (Rupert Everett) der Widerstand gegen den vermeintlichen Ketzer Baskerville wächst.

Was Umberto Ecos Weltbestseller von 1980 zu einer einzigartigen Erscheinung machte, war in erster Linie seine formal-ästhetische Besonderheit. Egal ob man das voluminöse Romandebüt nun als historische Räuberpistole, philosophisches Traktat, gelehrsame Geschichtsstunde oder metatextuellen Textkoloss für Spezialisten der Linguistik oder Komparatistik interpretierte: Dem 2016 gestorbenen Literaten, Zeitungskolumnisten und Professor für Semiotik gelang es, damit sowohl ein breites wie ein wissenschaftliches oder intellektuellen Publikum anzusprechen, was nun auf die belanglose Neufassung keinesfalls zutrifft.

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