Berlin - Bis eben war die Welt noch in Ordnung, doch von einem Moment zum anderen kommt alles ganz anders. Eine Frau merkt angesichts der Vergänglichkeit des Lebens, dass sie so einiges bis dahin versäumt und eine Liebe nicht gelebt hat. Darum und wie sie versucht, ein wenig davon nachzuholen – geht es in der Tragikomödie „Mama geht nicht mehr“, die das ZDF an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) zeigt.
Die Ärztin Karin (Mariele Millowitsch) freut sich auf einen neuen Lebensabschnitt. Einen Tauchlehrgang will sie machen, und erst mal flirtet sie mit ihrem Kurslehrer. Doch dann erfährt sie von ihrem Kollegen in der Klinik, dass sie unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. Sie nimmt diese Schreckensnachricht gefasst auf, schreit nur kurz in ihrer schönen Wohnung, in der sie allein lebt.
„Die Freiheit der letzten Tage“ – so heißt ein Buch, das bald darauf auf ihrem Nachttisch liegen wird. Wenig später steht sie unvermittelt vor der Tür ihrer Tochter Steffi (Mina Tander), von der sie frostig begrüßt wird. Ihr Enkel Timo (Erik Linnerud) sagt nur: „Ich dachte, Oma wäre tot“, worauf die spontan antwortet: „Noch nicht ganz“.
Kurz danach sitzt Karin dann heulend vor den Familienfotos, und schließlich rückt sie mit der Sprache heraus.
Ein Familienfilm
Nach dem ersten Schock will Steffi sie zwar zurück nach Hause schicken, doch dann darf sie erst einmal eine Nacht bleiben. Und fortan geht es für Karin vor allem darum, Zeit zu finden, um die Probleme mit ihrer Tochter zu klären – „Mama geht nicht mehr“, sie wird bleiben. Bald entdeckt sie die Geheimnisse ihrer Familie, in der man offenbar nicht gern miteinander spricht.
Steffis Gatte Basti (Simon Schwarz) geht mit seiner Sprechstundenhilfe fremd, der Sohn raucht heimlich, schaut Pornos und betätigt sich als Spanner in der Mädchenumkleide. Und Steffi muss sich eingestehen, dass sie überhaupt nichts mehr im Griff hat, weder in ihrem Job als Lehrerin noch zu Hause.
Vivian Naefe (60, „Der Geschmack von Apfelkernen“) sagt: „Das ist ja eigentlich kein Krebsfilm, sondern ein Familienfilm. Es geht auch darum, wie eine Tochter, die mit ihrer Mutter seit Jahren verkracht ist, reagiert, als diese sich kaltschnäuzig für ihre letzten zehn Lebensmonate bei ihr einquartiert, um ihr Leben kurz vor dem Tod „in Ordnung zu bringen“.
Mit Galgenhumor
Die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten sei tatsächlich gewesen, nicht in Schwere zu verfallen. „Aber eben auch nicht gezwungen lustig zu sein, oder oberflächlich. Sondern Krankheit und Tod mit Humor zu betrachten.“
Für einen wirklich heiteren Moment sorgt ein Trockenschwimmkurs von Oma und Enkel auf dem heimischen Sofa. Mariele Millowitsch (60, „Marie Brand“) spielt die Rolle der todkranken Frau – samt Haarausfall, versagender Chemotherapie, nachlassenden Kräften und zunehmender Verzweiflung – mit einer beachtlichen Mischung aus Egoismus, Gefühlskälte und Galgenhumor, die sich vielleicht nicht jedem Zuschauer erschließt.
