Oldenburg - Den Anfang der neuen NWZ -Serie machen zwei Titel, die unterschiedlicher nicht seien könnten – „Game of Thrones“ und „The Man in The High Castle“.

Game of Thrones

Es ist eine Fantasy-Saga wie aus dem Bilderbuch, die sich mit absoluter Sicherheit nicht in zwei Sätzen erklären lässt. Es geht um die sieben Königslande von Westeros, die von mehreren Adelshäusern und einem übergeordneten König regiert werden. Die Rahmenhandlung ist an eine fiktive Mittelalterwelt angelehnt, in der Jahreszeiten mehrere Jahre dauern können und basiert auf dem Buch „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin.

Ein Feudalsystem macht die reichen Häuser immer reicher und die armen Bauern immer ärmer. Schnell kommt es zum Konflikt der Familien und das Spiel der Throne nimmt ungeahnte Ausmaße an. Ob von Osten oder von Norden – überall lauern Gefahren. Mit im Cast sind große Namen wie Sean Bean, Charles Dance und Jonathan Pryce – doch die meisten Darsteller erlangten erst durch die Serie Berühmtheit.

Doch was macht diese Serie so besonders? „Game of Thrones“ traut sich all das, was sich andere ähnliche Serien der Vergangenheit nicht getraut haben. Es gibt kein Gut und kein Böse – fast jeder Charakter ist ambivalent und nicht berechenbar. Das Fantasy-Epos zeigt brutale Szenen, zeigt freizügige Szenen, und man kann sich nie sicher sein, dass der Lieblingscharakter überlebt. Dazu ist die Serie extrem gut gefilmt, setzt Magie und Zauberei nur ganz sporadisch ein und strotzt nur so von gut geschriebenen Dialogen. Es ist eben nicht die klassische Heldengeschichte, und das macht die Serie zu einem Meisterwerk.

Ab 2,49 Euro pro Folge ist die Serie bei Amazon Video abrufbar. Sechs Staffeln sind bereits erschienen, eine siebte Staffel soll im Sommer 2017 ausgestrahlt werden. Die achte Staffel ist schon geplant.

The man in the High Castle

Wieder eine Buchadaption: In der Alternativweltgeschichte hat das Deutsche Reich zusammen mit den Japanern den Zweiten Weltkrieg 1947 gewonnen und die ganze Welt unter sich aufgeteilt. Auch die USA sind komplett erobert worden. Die Deutschen regieren über die Ostküste mit New York City als Hauptstadt und stützen ihre Macht gezielt auf amerikanische Kollaborateure. Die Japaner regieren mit harter Hand an der Westküste die sogenannten Pazifikstaaten. Beiden Seiten trennt eine Neutrale Zone. Zwischen den Achsenmächten herrscht eine Art kalter Krieg im Schatten der Atombombe. Die Serie spielt Anfang der 60er Jahre. Der deutlich gealterte Adolf Hitler lebt noch und hat seine Vision von Berlin als Germania umgesetzt. Im Zentrum der Handlung steht der Widerstand in den USA und die Legende um mysteriöse Filme, die eine ganz andere Realität zeigen. Grundlage der Amazon-Eigenproduktion bildet das Werk „Das Orakel vom Berge“ von Philip K. Dick.

Nein, diese Serie ist kein Trash à la „Iron Sky“. Es ist die beste Alternativweltgeschichte, die es bis jetzt auf die TV-Geräte geschafft hat. Beklemmend ist die realistische Darstellung eines von den Nazis okkupierten Amerikas sowie die Nichtgeburt der Popkultur der 60er Jahre. „The Man in The High Castle“ nimmt sich zwar in den ersten Folgen viel Zeit für die Exposition der Charaktere und kommt nicht mit großen Darstellern daher, schafft es aber spätestens ab Mitte der ersten Staffel, unglaubliche Spannung zu erzeugen. Dafür wird der Zuschauer lange im Dunkeln gelassen. Starke Schauspieler und eine starke Kameraarbeit, die in der zweiten Staffel sogar noch besser wird, zeichnet die Serie ebenfalls aus – nicht zuletzt, weil Ridley Scott hinter der Serie steckt.

Alle Folgen sind kostenlos abrufbar bei Amazon Video. Zwei Staffeln sind online, eine dritte ist bereits bestätigt.

Heiner Elsen
Heiner Elsen Redaktion Münsterland