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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Ein bisschen wie Bonnie und Clyde

25.02.2016

Köln Dieser Kölner „Tatort“ beginnt ziemlich heftig: Das Opfer liegt in einer großen Blutlache, das Messer ist blutbeschmiert, die Hand des Täters trieft von Blut. Die Hand gehört Adrian Tarrach (Rick Okon). Zuvor haben die Zuschauer in Nahaufnahme gesehen, wie er dem Stiefvater seiner Freundin Laura (Ruby O. Fee) das Messer tief in den Bauch stieß. Aber warum? Die Folge „Kartenhaus“ an diesem Sonntag (ARD, 20.15 Uhr) ist weniger ein klassischer Krimi als vielmehr ein packendes Sozialdrama.

Wäre da nicht der Mord, könnte es eine romantische Geschichte sein: Junger Mann aus ärmlichen Verhältnissen liebt Mädchen aus reichem Villenhaushalt.

Wo sich Müll türmt

Beide reißen gemeinsam aus und suchen das Glück. Doch nun werden sie von der Polizei verfolgt, sind ständig auf der Flucht – und bald gibt es noch eine Leiche. Es ist fast ein bisschen wie bei „Bonnie und Clyde“. Symbolträchtig verfolgt die Kamera sekundenlang, wie der Wind eine leere Plastiktüte durch die Luft wirbelt.

Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln in einem Kölner Sozialghetto: einem schäbigen Hochhauskomplex, in dem 4000 Menschen aus 60 Nationen leben, wo Kriminalität und Arbeitslosigkeit Alltag sind, wo der Müll sich türmt und Gangs regieren.

Eine bedrückende Atmosphäre. Bedrückend ist aber auch, dass es dieses Problemviertel tatsächlich in der Domstadt und ähnliche Brennpunkte auch in anderen Großstädten gibt.

1000 Wohnungen

Das Drehbuch stammt von „Tatort“-Veteran Jürgen Werner. Regisseur Sebastian Ko lässt sich von der tristen Umgebung inspirieren und setzt sie bildgewaltig in Szene. Von den Balkonen können Gegenstände und auch Menschen fallen oder gestoßen werden – so ging es auch dem Bruder und dem Vater von Adrian. Jetzt ist nur noch seine Mutter Pia (Bettina Stucky) übrig, zu der Adrian ein enges Verhältnis hat.

Wer sich im Hof zwischen den Hochhäusern aufhält, wird stets von vielen Augen beobachtet – und trotzdem sieht niemand etwas, wenn es darauf ankommt. Hier kann man sich verstecken, indem man mitten unter Menschen ist. Assistent Tobias Reisser (Patrick Abozen) ist stolz, den Radius eingeengt zu haben, in dem sich der Gesuchte aufhalten muss: „In einem dieser Häuser ist er.“ Doch leider bleiben damit noch immer fast 1000 Wohnungen, die die Polizei durchsuchen müsste – Schenk zuckt resigniert die Schultern.

Während Adrian also alles für seine Freundin tun würde – und tut, hat Laura sich ein Lügengeflecht aufgebaut. Von ihren Mitschülern erfahren die Kommissare, dass niemand etwas mit ihr zu tun haben will, weil sie ständig Geschichten erfinde. Spätestens da dämmert es den TV-Zuschauern, dass der Mörder letztlich eine tragische Figur ist. „Sie lügt – er träumt“, analysiert Ballauf.

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