Düsseldorf - Privat und beruflich war Walter Freiwald („Der Preis ist heiß“) am Boden, machte daraus keinen Hehl. Seine Frau Annette kämpfte gegen einen Hirntumor, er sagte deswegen seinen neuen Job ab, fand dann zwei Jahre lang nichts Neues. Anfang 2015 zog Freiwald in das Dschungel-Camp von RTL, brauchte dringend ein Comeback. Was sich dann abspielte, habe er im ganzen Ausmaß erst realisiert, als er nach drei Wochen wieder draußen war.
„Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich draußen als ,Krawallter‘ vermarktet wurde“, sagt Freiwald heute. Er habe wirklich nicht gewusst, dass er in Deutschlands quotenstärkster Show den bösen Fiesling gab, beteuert er. Seine kranke Frau wurde derweil von Paparazzi belagert und lebte in Meerbusch bei Düsseldorf hinter abgeklebten Fensterscheiben. „Wir haben uns hier verschanzt“, berichtet sie. Aus Freiwald war Freiwild geworden, er bekam Morddrohungen und Personenschutz: „Die Polizei ist hier wochenlang Streife gefahren.“
Inzwischen haben sich die Wogen geglättet, die Folien sind von den Fenstern verschwunden, doch nun rechnet Freiwald in seinen Memoiren („Frei Schnauze und mit einem Augenzwinkern“) ab – mit den Boulevard-Kampagnen, mit Hass-Kommentatoren und Shitstorms in den sozialen Netzwerken.
In mehr als 123 000 Tweets und Facebook-Kommentaren ging es um Freiwald, stellte eine Mediaagentur später fest. Kritiker sagen, er habe sich das selbst zuzuschreiben, habe kräftig ausgeteilt gegen seine Mitcamper, kannte das Format, die Spielregeln. „Ich bin ’ne Rampensau, na klar“, sagt der Moderator. Das Ausmaß des Hasses habe ihn trotzdem entsetzt. „Ich wurde als Pädophiler beschimpft, verhöhnt, wegen meines Körpers niedergemacht. Diese perverse Art – das ist gefährlich, was da im Netz passiert“, sagt Freiwald. „Ich hätte 1000 Menschen verklagen können.“
Während seine Familie vollauf damit beschäftigt war, Hass-Kommentare zu löschen, lieferte Freiwald fleißig Vorlagen am Fließband: Dass er sich der SPD als Bundespräsidenten-Kandidat angedient hatte, dass Thomas Gottschalk ihm seinen Job bei „Wetten, dass...“ angeboten habe. Bevor seine Urwald-Anekdoten bestätigt wurden, war er schon „Flunker-Freiwald“. Walter gegen den Rest der Welt. Dabei hat der gebürtige Ostfriese viel erlebt: Eine harte Kindheit mit viel Prügeln und wenig Liebe im Ruhrpott, eine Jugend als langhaariger Ausreißer, in der sich ein Sexualverbrecher an ihm verging, schließlich seine Zeit als Privatradio-Pionier. Mit „Der Preis ist heiß“ schaffte er den Sprung ins Fernsehen. Schließlich wurde er Deutschlands bekanntester Teleshopping-Verkäufer.
Vom Dschungel-Camp ist Freiwald nicht kuriert. Er würde sofort wieder einchecken, sagt er.
