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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

VERFILMUNG: Ein spannender Western auf See

25.11.2008

HAMBURG Axel Milberg als akademisch gebildeter Großgangster Caspary steht an Deck und holt zur großen Tirade aus. Regisseur Florian Gärtner plagten ganz andere Sorgen. Man war schließlich auf einem Schiff, die Szene sollte auf hoher See spielen, aber das Schiff fing an sich zu drehen, und langsam, unaufhaltsam schob sich sehr unpassend das nahe Ufer ins Bild.

„Das war mein bisher anstrengendster Dreh überhaupt“, sagt der 40-Jährige, der in den Regengüssen und Sturmböen des Sommers 2007 Siegfried Lenz’ 1960 entstandenen Roman „Das Feuerschiff“ in Szene setzte. An diesem Mittwoch (20.15 Uhr, ARD) ist der Film zu sehen, „dichter am Original, als mir zunächst vorgeschwebt hatte“, meint Fernseh-Autor Lothar Kurzawa, der schon das Buch zur vorangegangenen Lenz-Verfilmung „Der Mann im Strom“ verfasst hatte. Für diese Produktion wurde Hauptdarsteller Jan Fedder 2006 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Der Erfolg des Films war für den Norddeutschen Rundfunk (NDR) wie für den Produzenten Markus Trebitsch ein Anstoß, nun auch mit erheblich größerem Aufwand das „Feuerschiff“-Projekt zu wagen, nach zwei älteren Verfilmungen mit Dieter Borsche in den 60ern und Klaus Maria Brandauer in den 80ern.

Die Hauptfigur ist nach dem „Strom“-Film wieder Jan Fedder, diesmal als markig-mutiger Kapitän Johann Freytag, der noch einmal seinen Dienst auf dem letzten Feuerschiff antritt, bevor es aus dem Verkehr gezogen wird.

Aber dieses letzte Mal hat es in sich: Schwerbewaffnete Gangster kommen an Bord, der böse Caspary voran. Sie wollen den Kapitän zwingen, sie an Land zu bringen, obwohl ein Feuerschiff nicht von der Stelle weichen darf.

Gibt Freytag nach oder bleibt er sich selber treu? Und vor allem: wie verhindert er ein mögliches Gemetzel? Einen „Western auf See“ nennt Fedder diesen Film und schwärmte schon während der Dreharbeiten von der Rolle des Freytag: „Auf dem letzten aller Feuerschiffe ein letzter Mann von Ehre und Gewissen“.

Kleine Ungenauigkeit im Drehbuch: Das tatsächlich letzte Feuerschiff wurde schon in den 80ern durch eine Boje ersetzt, bemannte Feuerschiffe gibt es nicht mehr. Hier aber wird mit Euro bezahlt und mit Handys hantiert, nicht unbedingt zur Freude des Regisseurs, der die Geschichte lieber in den 80ern angesiedelt hätte.

NDR-Fernsehfilmchefin Doris Heinze ist anderer Meinung: „Wir wollten keinen historischen Film. Und die menschliche Haltung, die sich in ihm ausdrückt, bleibt zeitlos.“ Neben Jan Fedder und Axel Milberg als den zentralen Gegenspielern sind hoch profilierte Bühnendarsteller wie Werner Wölbern oder Alexander Simon zu sehen.

Und in einer Mini-Rolle der Autor selbst, Siegfried Lenz. Der sitzt da, soll angeln und wurde sperrig, als ihn der Regisseur bat, schön verträumt hinaus aufs Meer zu blicken.

Kein Angler, meinte der passionierte Petri-Jünger Lenz, lässt den Blinker aus dem Auge. Seinerseits staunte er: „Dass man für eine so kurze Szene einen halben Drehtag braucht!“

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