Hamburg/Berlin - Eine Leiche fällt vom Himmel, Bundespolizei-Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) bekommt eine neue Partnerin zur Seite gestellt, IS-Terroristen drohen mit einem Anschlag in Norddeutschland. Im „Tatort“-Krimi „Zorn Gottes“ (Sonntag, um 20.15 Uhr im „Ersten“) ist ohne Zweifel eine Menge los. Dennoch kommt die als brisant aktuell angelegte Story nach dem Drehbuch Florian Oellers unter der Regie von Özgür Yildrim kaum als Action-Thriller daher, sondern bemüht sich kammerspielartig um hautnahe Begegnungen und Hintergrunderklärungen.

Mit interessantem, aber nicht immer packendem Ergebnis. Denn manche Darstellungen der Produktion der Wüste Medien GmbH im Auftrag des NDR gerieten betont politisch korrekt und nicht eben horizonterweiternd.

Im Visier steht das Schreckensregiment islamischer Fanatiker: Am Flughafen Hannover wartet der junge deutsche Schleuser Rocky (Christoph Letkowski) auf Dschihadisten aus dem Nahen Osten, die nach Europa zurückkehren wollen. Doch es kommt zu einer Verwechslung, ein arabischer Mann stirbt dabei. Nicht weit davon entfernt wird Falke von Sicherheitsbeamten festgenommen, die ihn für einen Terroristen halten. Dabei testet er nur die Flughafen-Security.

Um sich schon bald als Ermittler gegen Schleuser sowie IS-Kämpfer einer „Braunschweiger Brigade“ wiederzufinden, die in einem Video mit einem Anschlag drohen. Denn schnell wird klar, dass es einen zweiten Flugpassagier und potenziellen Selbstmordattentäter gibt, der illegal nach Deutschland zurückgekehrt ist – einen türkischstämmigen Mann namens Enis Günday (Cem-Ali Gültekin), der sich in der Gewalt von Rocky befindet.

Um Ausgewogenheit bemüht und um Vorurteilen gegenüber Bürgern mit Migrationshintergrund keinen Vorschub zu leisten, schildert der „Tatort“ unter anderem augenfällig das Leid der Angehörigen: Vater und Schwester beweinen Enis’ kriminelle Absichten und versuchen verzweifelt, der Polizei zu helfen.

Das Krimigeschehen ist in seiner Bildsprache fast immer in Dunkelheit getaucht, höchstens von Kunstlicht ein wenig beleuchtet. Klaustrophobisch enge Räume – Keller, Küchen, Krankenhausflure, Wartehallen oder Wohnzimmer – vermitteln dazu ein Gefühl von Unbehagen.

Falke hat bei seiner Suche nach Aufklärung nach dem Abschied von Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) nun wenigstens eine neue Partnerin an der Seite: die kühle blonde Polizeioberkommissarin Julia Grosz (Franziska Weisz). Die spricht kein Wort zu viel und verrät erst spät, dass sie seit einem Afghanistan-Einsatz Schweres zu verkraften hat.