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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Hommage an einen Kinoklassiker

29.08.2019

Frankfurt Wenn Frankfurt als die amerikanischste aller deutschen Großstädte bezeichnet wird, ist in der Regel die Skyline von „Mainhattan“ mit Bürohochhäusern und Wohntürmen gemeint. Der Mittlere Westen der USA drängt sich nicht gleich als Idee auf. Im neuen Frankfurter „Tatort“ am Sonntagabend (20.15 Uhr) im Ersten ist von Wolkenkratzern nichts zu sehen. Stattdessen ist die Episode „Falscher Hase“ unter der Regie von Emily Atef eine Hommage an den Kinoklassiker „Fargo“.

Die Kamera erweckt den Eindruck winterlicher, amerikanischer Weite so gut wie das im eher milden Klima am Main eben möglich ist: Nebel, grauer Himmel, zwei sich im Fast-Nirgendwo kreuzende schmale Straßen, einsame Bäume wie am Ende der Welt. Da schafft es Kameramann Armin Dierolf sehr überzeugend, in der eigentlich dicht-besiedelten Landschaft eine Atmosphäre einzufangen, als komme dort nur alle drei Stunden mal ein Auto vorbei. Und auch die Musik passt zu Einsamkeit und Kälte.

Die Fernsehkommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) müssen in „Falscher Hase“ auch ohne Schneesturm frieren: Im Polizeipräsidium sind Bautrupps unterwegs, und die Heizung funktioniert nicht. Da ist ein Ruf zum Tatort doch gleich willkommen.

Anders als die TV-Ermittler wissen die Fernsehzuschauer schon in den ersten fünf Minuten, was es mit dem Tod eines Wachmanns und dem gefesselten und angeschossenen Inhaber eines mittelständischen Unternehmens auf sich hat. Nicht die Frage „Wer war es?“ beherrscht diesen Sonntagskrimi, sondern eher: „Was geht als Nächstes schief?“.

An schrägen Figuren und Dialogen herrscht kein Mangel in diesem „Tatort“, für den Regisseurin Atef auch das Drehbuch verfasste. Hinzu kommt eine Ausstattung, die wie in der Zeit festgefroren wirkt. Selbst die Farben erinnern an verblasste Polaroid-Familienbilder aus den späten 70er oder 80er Jahren.

Schon in der Vergangenheit liebäugelten die Frankfurt-Tatorte mit anderen Genres als dem reinen Kriminalfilm. Im Fall von „Falscher Hase“ ist eine Mischung von Krimi, schwarzer Komödie und Liebesgeschichte herausgekommen, voller Antihelden. Auch kleine Rollen können hier Akzente setzen.

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