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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Vorschau: Geschichte wird zum Kammerspiel

25.04.2014

Mainz Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger, die Julikrise und die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914: Der Weg in den Ersten Weltkrieg ist von Historikern bereits in zahllosen Facetten aufgearbeitet worden. Das ZDF-Drama „Das Attentat – Sarajevo 1914“ zeigt an diesem Montag (20.15 Uhr) die Entwicklungen vor der ersten großen Katastrophe des 20. Jahrhunderts als personalisiertes, düsteres Kammerspiel. Der Untersuchungsrichter Leo Pfeffer ermittelt inmitten laufender Kriegsvorbereitungen.

Produziert haben den Film von ZDF und ORF die Österreicher Danny Krausz und Kurt Stocker, die in diesem Jahr mit „Deine Schönheit ist nichts wert“ den Österreichischen Filmpreis gewannen. Regie führte Andreas Prochaska. Dessen Alpendrama „Das finstere Tal“ geht als Favorit in die Verleihung des diesjährigen Deutschen Filmpreises.

„Ich wollte ein Gefühl für die Atmosphäre dieser Zeit erzeugen“, sagt Prochaska über sein neues Werk, „Das Attentat – Sarajevo 1914“. In langsamem Tempo, mit teilweise sehr eindringlicher musikalischer Untermalung (Musik: Stefan Bernheimer), inszeniert der 49-Jährige nun eine mögliche Version der Ereignisse vor 100 Jahren.

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Leo Pfeffer (Florian Teichtmeister) erhält die Chance seines Lebens. Der Justizbeamte soll die Attentäter Gavrilo Princip (Eugen Knecht), Nedeljko Cabrinovic (Mateusz Dopieralski) und Danilo Ilic (Edin Hasanovic) vernehmen und möglichst schnell eine Anklage vorbereiten.

Die Fakten scheinen klar: Serbien steckt hinter dem tödlichen Anschlag auf Franz Ferdinand und seine Frau. Oskar Potiorek (Erwin Steinhauer), Statthalter in Bosnien-Herzegowina, will Berlin und Wien mit einem stichhaltigen Kriegsgrund ausstatten. Doch Pfeffer nimmt sich Zeit, stellt unerwünschte Fragen und stößt auf Widersprüche.

Die Handlung wird dabei oft in Gesprächen und Verhören vorangetrieben. Bis zu einem gewissen Grad sei sie fiktiv, sagt Prochaska. Doch die historisch verbrieften Ereignisse ließen Raum für Spekulationen. Leo Pfeffer gab es wirklich, doch weiß man wenig über ihn.

Frei erfunden ist dagegen die Figur Herbert Sattler. Heino Ferch, der mit Regisseur Prochaska auch bei der Krimi-Reihe „Spuren des Bösen“ erfolgreich zusammenarbeitete, überzeugt hier als zwielichtiger deutscher Arzt. Auch Marija Jeftanovic (Melika Foroutan), zu der Pfeffer eine intime Beziehung entwickelt, gab es so nicht.

Anfangs sehr ruhig inszeniert, entwickelt „Das Attentat – Sarajevo 1914“ nach und nach einen gewissen Sog, je mehr die Ereignisse auf das Unausweichliche zusteuern. Für den Zuschauer wird trotz einiger Längen emotional erlebbar, wie sich Einzelne vergeblich gegen den Lauf der Geschichte stemmen. Wie viel man davon glauben möchte, bleibt schlussendlich jedoch jedem selbst überlassen.

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