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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Von Sahnetorten und Essiggurken

20.09.2018

Grünwald 7977 Küsse, 44 Hochzeiten, 23 Scheidungen, 15 Morde – wenn an diesem Donnerstag um 15.10 Uhr die 3000. Folge von „Sturm der Liebe“ ausgestrahlt wird, ist schon einiges passiert im Hotel „Fürstenhof“. Der ARD-Dauerbrenner feiert sein großes Jubiläum mit einer Party für den Hoteldirektor.

In der 3000. Episode geht es um den 75. Geburtstag von Werner Saalfeld (Dirk Galuba). Eine gute Gelegenheit, auch einige beliebte Stars von früher wieder vor die Kamera zu holen – wie den Schauspieler Gregory B. Waldis aus Staffel eins.

Seit 13 Jahren überrascht die Serie um Liebe und Intrigen im Hotel „Fürstenhof“, die in den Bavaria Studios in Grünwald bei München gedreht wird, mit Quoten wie sie für eine Serie im Nachmittagsprogramm ungewöhnlich sind. Die meistgesehene Folge 304 vom 18. Januar 2007 hatte nach Angaben der Produktionsfirma Bavaria Fiction mit 4,56 Millionen Zuschauern einen Marktanteil von 26,2 Prozent.

„Damals war der Hype am größten, und wir hatten Quoten erreicht, die für eine tägliche Serie im Nachmittagsprogramm eigentlich unrealistisch waren“, sagt Produzentin Bea Schmidt. „Dass es so nicht dauerhaft weitergehen konnte, war klar.“ Derzeit schalten jeden Tag im Schnitt 1,5 Millionen Zuschauer ein. Das bedeutet einen immer noch guten Marktanteil von 14 Prozent.

Aus Sicht der Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher von der Uni Hamburg gibt es zwei Gründe für den Erfolg: „Eine ganz klar regionale Zuordnung und immer wieder neue Figuren in einem altbekannten Setting.“

Das ist für sie auch die Ursache dafür, dass von den Telenovelas, die vor allem um die Jahre 2005/06 zahlreich aus dem Boden gestampft wurden, im deutschen Fernsehen im Grunde nur noch „Sturm der Liebe“ und „Rote Rosen“ (ebenfalls im Ersten) übrig geblieben sind. Zwar gibt es in „Sturm der Liebe“ immer neue Liebespaare, Rahmenhandlung und Nebenrollen aber bleiben konstant. Daher sprechen die Macher der Serie von „Daily Novela“.

Produzentin Bea Schmidt beschreibt das Erfolgskonzept so: „Wir haben immer einen spannenden, oft kriminellen Intrigen-Strang, und es gibt oft Reaktionen von Zuschauern, die sich regelrecht erzürnen über die Boshaftigkeit einer Rolle. Aber ich bin überzeugt: Wenn wir das nicht hätten, würden sich die Zuschauer irgendwann langweilen. Man kann nicht immer nur Sahnetorte essen. Es muss auch mal die Essiggurke sein.“

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