HAMBURG - Zehn Schülerinnen sollen „respektable Ehefrauen“ werden. Das Training dauert sechs Wochen.

Von Bettina Grachtrup

HAMBURG - „Jetzt mal ein bisschen Tempo. Wir wollen hier Hochglanz!“ Oberlehrerin Antje Limbrock treibt die jungen Frauen an, die den Boden wienern, die Fenster putzen und das Sofa ausklopfen.

Zu lachen haben die Mädchen wenig, und Widerworte sind nicht erwünscht in der Hauswirtschaftsschule anno 1958. „Die Bräuteschule 1958“ heißt das ARD-Fernsehprojekt, bei dem sich Menschen von heute auf eine Reise in die Vergangenheit begeben. Zehn Schülerinnen zwischen 17 und 23 Jahren sollen zu „respektablen Ehefrauen“ erzogen werden. Wie es ihnen dabei ergeht, ist von diesem Dienstag an in 16 Folgen immer dienstags bis freitags jeweils um 18.50 Uhr zu sehen.

Schauplatz der neuen „Living History“-Serie ist das abgeschiedene Soonwaldschlösschen bei Mengerschied im Hunsrück. Hier lernen die Mädchen sechs Wochen lang Kochen, Bügeln, Waschen, Putzen, Tanzen und Benehmen – und zwar so, wie es vor 50 Jahren üblich war. Übernachtet wird in Drei-Bett-Zimmern. Die Frauen tragen graue, lange Kleider. Im Salon stehen Nierentische und ein Dampfradio. Die Lehrerinnen sind die Autoritäten und Frauen den Männern untergeordnet.

Mit der „Bräuteschule“ will die ARD an den Erfolg anknüpfen, den sie vor vier Jahren mit dem „Schwarzwaldhaus 1902“ hatte, obwohl einige der nachfolgenden Projekte nicht mehr so viele Zuschauer vor den Bildschirm lockten. „Das Jahr 1958 ist etwas näher am Publikum dran. Durch Erzählungen von den Eltern und Großeltern kennt man die Zeit“, meint ein ARD-Sprecher.

„Frau Direktor“ der Bräuteschule ist Barbara Dittrich. Sie unterrichtet auch im wirklichen Leben an einer Hochschule angehende Lehrer im Fach Haushalt/Textil. „Das war kein Spiel: Ich war hier 24 Stunden am Tag beschäftigt“, erklärt sie. Viele der Ansichten aus den 50er-Jahren hält sie für überholt, einige für sinnvoll. Wer seinen Haushalt im Griff habe, könne – damals wie heute – Geld und Zeit sparen.

Infos unter: www.ard.de