Hamburg - Umstrittene Urteile in Strafrechtsprozessen beschäftigen „Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni bei seinen Stippvisiten in deutsche Gerichtssäle. Die neue Sendung „Das soll Recht sein?“ erzählt von diesem Montagabend (22 Uhr) an im NDR-Fernsehen drei Fälle: Ein Mann landet unschuldig hinter Gittern, weil die Nachbarstochter ihn der Vergewaltigung bezichtigt. Eine Frau, die von ihrem Mann über Jahre brutal misshandelt wird, erschießt ihren Peiniger, wird zu Haft verurteilt, dann aber doch freigesprochen. Den Mörder einer 17-Jährigen fasst die Polizei schnell, letztlich kommt er aber doch auf freien Fuß.

Jeweils einen Prozess analysiert Zamperoni in jeder 45-minütigen Folge – im Mix aus Doku und Gespräch – mit vier Schöffen aus Norddeutschland. „Es geht um die Frage, die sich jeder mal stellt: Was ist Recht und was ist gerecht?“, sagte der 44-Jährige jetzt. „Das Wesen eines Rechtsstaates ist es nun mal, bisweilen dem subjektiven Rechtsempfinden der Bevölkerung zu widersprechen, er darf nicht Schwankungen und Stimmungen unterliegen.“ Rechtsstaatlichkeit sei ein hohes Gut, betonte er und sagte aber auch: „Unser Rechtssystem ist sicher nicht perfekt, auch bei uns gibt es Menschen, die daran verzweifeln.“

So wie im Fall von Ralf Witte, um den es in der ersten Ausgabe geht. Die 15-jährige Nachbarstochter behauptete, der Straßenbahnfahrer habe sie brutal vergewaltigt. Obwohl er Alibis für die angeblichen Tatzeiten vorlegen konnte, verurteilte ihn das Landgericht Hannover 2004 zu zwölf Jahren und acht Monaten Haft. Fünf Jahre sitzt der Mann im Gefängnis, bevor der Fall wieder aufgerollt wird und es Wittes inzwischen neuem Anwalt gelingt, die Unschuld seines Mandanten zu beweisen.

Zamperoni spricht mit den Schöffen, die schon seit Jahren im Einsatz sind, über den jeweiligen Fall und versucht zu verstehen, warum zwischen Rechtsprechung und unserem Gerechtigkeitsgefühl mitunter Welten liegen. Die weiteren Ausgaben folgen am 13. und 14. November jeweils um 22 Uhr.