• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Neuer Fall führt ins rechte Milieu

06.06.2018

Hamburg Den Menschen ihre Würde zurückgeben – das verspricht Sylvia Schulte (Katrin Bühring), die aussichtsreiche Kandidatin der PFS bei der Oberbürgermeisterwahl in Rostock. Sie wettert gegen Hartz IV, die geringen Chancen von Langzeitarbeitslosen und den Niedriglohnsektor, der Menschen zwinge, sich in den Tafeln mit Lebensmitteln zu versorgen. Sie erntet Beifall, auch wenn ihr Lösungsansatz schwammig bleibt. Wenige Minuten nach diesem Wahlkampfauftritt ist Schulte tot, sie wurde bei lebendigem Leib verbrannt.

Die Aufklärung des grausamen Verbrechens liegt in den Händen der Rostocker Kommissare König (Anneke Kim Sarnau) und Bukow (Charly Hübner). Sie ermitteln in alle Richtungen, wobei die politische Stimmung in manchen Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns und deren Ursachen genau und facettenreich beleuchtet werden. Ihren Krimi aus der Reihe „Polizeiruf 110“ zeigt die ARD an diesem Sonntag um 20.15 Uhr.

Der Mord könnte privat oder politisch motiviert sein. Die 41-jährige Schulte war nach ihrer eigenen Beschreibung in einem streng rechten Elternhaus aufgewachsen. Ein nicht ganz logischer Dreh im Buch, denn sie wuchs ja die ersten zwölf Lebensjahre in der DDR auf, wo Nazipropaganda streng verboten war und verfolgt wurde.

Schulte hatte früh geheiratet, eine mittlerweile fast erwachsene Tochter (Pauline Renevier) bekommen und sich nach wenigen Jahren Ehe von ihrem rechts gesinnten Mann losgesagt. Der bewirtschaftet nun mit seiner zweiten Frau in einer Art Volkskommune nach dem Bauernideal des „Dritten Reiches“ mit anderen Familien einen Biobauernhof. Da es keinen staatlichen Kindergarten in dem kleinen Flecken gibt, werden bereits die Jüngsten von seiner zweiten Frau auf rechte Linie gebracht.

Architektonisch steht der Hof unverkennbar nicht in Mecklenburg – aus Kostengründen wird der Rostocker „Polizeiruf“ seit einigen Jahren in Hamburg und Umgebung gedreht. Das nimmt ihm einen Teil der Authentizität. Der NDR sollte hier dringend umdenken und die Gebühren der Mecklenburger lieber vor Ort ausgeben, was auch die Akzeptanz der Pflicht zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erhöhen könnte.

Schultes Ex gerät schnell in Verdacht, das Verbrechen begangen zu haben. Ins Visier der Rostocker Beamten gerät auch Karim Jandall (Atheer Adel), ein gut integrierter Flüchtling aus Syrien und Schultes persönlicher Referent. Die beiden hatten ein intimes Verhältnis.

Bei der Aufklärung lüften die Ermittler das demokratische Mäntelchen, mit dem sich die fiktive rechtspopulistische Partei von der rechten Szene absetzen wollte und mit dem sich deren Kandidaten und Mitarbeiter von ihrer eigenen Vergangenheit distanzieren wollten.

Dieser Handlungsstrang zieht sich durch den gesamten Film. Er gibt dem Zuschauer ohne didaktisch erhobenen Zeigefinger und eher subtil Denkanstöße. Er kann die Motive der Wähler und Täter, deren Ohnmacht emotional nachvollziehen und rational verstehen.

Weitere Nachrichten:

NDR | ARD

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.