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Roman: Vom TV-Moderator zum Notfallsanitäter

01.09.2020

Hamburg Wer im Rettungswesen arbeitet, wird beinahe jeden Tag in langen Schichten mit dem Tod konfrontiert. Das ist gerade für Anfänger hart. Vor mehr als vier Jahren war Moderator Tobi Schlegl („Aspekte“, „Extra3“) der Grünschnabel in der Branche. Kurz vor seinem 40. Geburtstag warf der ehemalige Viva-Moderator seinen Job hin und ließ sich drei Jahre lang zum Notfallsanitäter ausbilden.

Buch als Therapie

Die Härte des Jobs traf ihn unerwartet. „Ich hatte recht traumatische Einsätze“, sagt Schlegl (42) in Hamburg. Er ließ sich auf Anraten eines Kollegen vom Kriseninterventionsteam betreuen. Das half. Um seelisch gesund zu bleiben, entschied sich der Journalist schließlich, einen Roman namens „Schockraum“ über seinen Arbeitsalltag zu schreiben. „Der Roman ist schon eine Art der Therapieform, ein Verarbeiten der Einsätze. Hätte ich eine Band, wäre es wohl stattdessen ein düsteres Heavy-Metal-Album geworden. So ist es ein düster-melancholischer Roman geworden.“ Der Roman „Schockraum“ setzt im Grunde da an, wo Tobi Schlegl dank seines Kollegen abbog: Notfallsanitäter Kim hat ebenfalls ein traumatisches Erlebnis im Dienst, jedoch keine psychologische Betreuung. Was das mit ihm macht, zeigt der Roman.

Kim verliert den Bezug zur Realität, sein Selbstvertrauen im Job, er wird quasi zum unberechenbaren, antriebslosen Zombie. Und damit zur Gefahr für seine Patienten und zur Enttäuschung für Familie und Freunde. Trotzdem frisst er den Stress und die Anspannung der Zwölf-Stunden-Schichten, den Unmut über banale Notfalleinsätze, hilflose Angehörige ohne Ersthelfer-Wissen und abgestumpfte Kollegen in sich hinein. Schlegl gelingt es dabei, die von ihm und seinen Kollegen erlebten Einsätze beim Deutschen Roten Kreuz in Hamburg lesenswert aneinanderzureihen und eine Geschichte darum zu weben.

Das Buch ist aber nicht nur als Unterhaltungsliteratur gedacht. Es soll auch zum Nachdenken anregen. Darüber, was im Rettungsdienst Tag für Tag geleistet wird. Darüber, dass es so einfach wäre, durch Erste Hilfe den Tod zu verhindern. Darüber, dass posttraumatische Belastungsstörungen auch Teil des Rettungsdienstes und nicht nur der Bundeswehr sind. Darüber, dass die Rettungsdienstler nicht gut bezahlt werden, es in den Wachen immer eine große Personalnot gibt und viele auf dem Zahnfleisch gehen und trotzdem jeden Tag wieder Menschenleben retten.

Ein Wunsch offen

Schlegl will mit seinem Buch den Kollegen auch eine Stimme geben. „Der Rettungsdienst hat nur eine kleine Lobby.“ Seine Kollegen hätten sehr positiv auf sein Vorhaben reagiert. Der Hamburger arbeitet nach wie vor 50 Prozent seiner Arbeitszeit für den Rettungsdienst und 50 Prozent fürs Fernsehen. „Es ist eine kluge Lösung, wenn man im Rettungsdienst alt werden will, wenn man das kombiniert.“

Und das hat Schlegl durchaus vor. Doch vorher habe er noch einen anderen Wunsch. „Wenn Netflix das als Miniserie herausbringen würde, das wäre das Allergrößte.“

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